Kategorie: Allgemein

Einladung zur Salzburger Versammlung 2025

Mitgliederversammlung des Salzburger Verein e. V.

Es werden alle Mitglieder am Samstag, 08. November 2025, um 14:30 Uhr recht herzlich zur Salzburger Versammlung (Mitgliederversammlung des Salzburger Verein e. V.) in den Clubraum des Wohnstift Salzburg in 33605 Bielefeld, Memeler Straße 35 , eingeladen.

Hier geht’s zur Tagesordnung.

Im Anschluss:
Öffentlicher Vortrag „Hirschberger Tal und die Zillertaler Emigranten“
von Herrn Dr. med. Schlemminger im Clubraum des Wohnstift Salzburg, Memeler Straße 35, 33605 Bielefeld

Erdmannsdorf-Tyrolsky-Dom

Ich hoffe, viele Mitglieder begrüßen zu können und wünsche eine gute Anreise.

Margrit Kempgen
Präsidentin

Der Schicksalsweg der Familie Koller und ihr Familienteppich

Liebe Mitglieder und Freunde des Salzburger Vereins,

vor einiger Zeit erhielt ich von Frau Hilke Schick eine sehr inhaltsreiche und berührende E-Mail mit einem wunderbaren Anhang, den sie mit mir teilen wollte.
Es handelt sich um einen Familienteppich, auch Schicksalsteppich genannt, den Erna Koller, die Großtante von Frau Schick, 1946 gewebt hat.

Erna Koller war von Beruf Volksschullehrerin und unterrichtete aber auch an der Webschule in Lyk/Ostpreußen. Geboren wurde sie am 26. Januar 1895 im Kreis Johannesburg als Nachfahrin Salzburger Exulanten. Nach der Vertreibung wurde sie Lehrerin in Hage/Ostfriesland. Nach ihrer Pensionierung lebte sie bis zu ihrem Tod am 24. November 1963 in Osnabrück.

Lassen wir Erna Koller doch selbst „zu Wort“ kommen: Der Schicksalsteppich

Leider existiert das Original des Schicksalsteppichs nicht mehr. Aber Familie Schick war dieser „Salzburger“ Familienteppich so wichtig, dass sie ihn im Jahre 2002 als Knüpfteppich rekonstruierte.
Danke, liebe Frau Schick, dass Sie dieses besondere Erbstück mit uns geteilt haben.
Herzliche Grüße

Margrit Kempgen

Der Schicksalsteppich

Wir Flüchtlinge haben mit der Heimat vieles, mitunter alles verloren, was uns teuer war; nur eins ist geblieben – die Erinnerung, ein Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Diese Erinnerung soll nicht mit unserer Generation sterben, – wir sind verpflichtet, sie an die uns Nachkommenden in Wort und Schrift und Bild weiterzugeben, dass sie Kraft gewinnt, das Geschehen, die Geschichte in ihnen lebendig zu erhalten. Das will der Teppich „Schicksalsweg der Familie Koller“.

Dieses Gewebe entstand 1946 in Ostfriesland nach der Flucht aus Ostpreußen, als wir Flüchtlinge nur das besaßen, was wir auf dem Leibe trugen, als wir zusammengepfercht in Baracken wohnten, als wir bettelnd von Bauernhaus gingen, um die Kartoffeln für ein Mittagessen zusammenzuholen. In dieser großen Notzeit entstand der Wunsch, das wechselvolle Geschick der Familie in einem Teppich festzuhalten, ein Plan, dem nach menschlichem Ermessen jede Voraussetzung fehlte: kein Gerät, kein Raum, kein Garn – man konnte nicht einmal einen Faden zum Stopfen der Strümpfe auftreiben – aber ich habe immer in meinem Leben erfahren, wenn man sich etwas mit ganzem Willen, mit heißem Herzen, mit allen Fasern seines Seins ersehnt, dann findet Gott Wege und Hände, die das Unmögliche möglich werden lassen. Die Fürstin zu Inn- und Knyphausen beschaffte einen Webstuhl. Frau Klein in Bielefeld sorgte für das Garn, als ich ihr meinen Wunschtraum verzeichnete und Frau Stübel in Hage stellte den Raum zur Verfügung. Mir war klar, dass auch diese Zimmer bei dem erneuten Zustrom der Flüchtlinge aus Schlesien bald beschlagnahmt würde und so geschah´s.

Der Teppich war angefangen und schon wurde eine 5-köpfige Familie eingewiesen. Wenige Tage blieben mir nur für eine Arbeit, die unter normalen Verhältnissen ein Vielfaches der Zeit beansprucht hätte. Während der Maler die Schäden an Mauern und Fenstern ausbesserte, die Wände und Decken tünchte, webte ich Tag und Nacht und wurde bei der Arbeit von einer Ecke in die andere geschoben. Was machten schon ein paar Kalkspritzer aus – der Teppich musste werden – und er wurde fertig. Aber wie! Bei der mangelhaften Ernährung fehlte mir die Kraft, den Faden so fest anzuschlagen, dass Kette und Schuß im Quardrat standen, dazu der unregelmäßig gemusterte Rand, der in der Hetz nicht sorgfältig durchgearbeitet werden konnte.

In Gedanken jener hastigen, unruhigen, qualvollen Tage rege ich mich heute noch auf, Tage, die bei der Arbeit zu Hause in der Heimat so viel Glück schenkten, wenn man besinnlich die musternden hellen Fadenpaare auf den Stab sammelt, ihnen über den dunklen Schuß hinweghilft und sie vor der Finsternis bewahrt. Sie müssen artig auf die nächsten hellen Schüsse warten, die sie binden und als Muster auf dem Gewebe in Erscheinung treten lassen.

Das wenig edle Material, die Fehler in der Randborte, das in die Länge gezogene Muster mindern beim unbeteiligten Beschauer den Wert des Gewebes, aber dem Kundigen berichten diese Mängel von der durchgestandenen Not.

Den Teppich sollte eine überlieferte Randborte, wie sie alle unsere alten Doppelgewebe einrahmt. Auf und ab bewegt sich die Lebenslinie. Aus den zwei Schenkeln, den Entzweiten – die Einheit ging bei der Schöpfung des Geschlechts entzwei – entspringt das neue Leben,(1) das Dritte; es dreht sich in seiner Blütenform nach links und nach rechts, die beiden Auseinandergefallenen verbindend. Die Einheit, die Dreieinigkeit, ist wieder hergestellt. (2) Auch die nächste kleine Borte entstammt den alten Teppichen. (3) Dieses Zeichen findet man nicht nur in Doppelgeweben, sondern auch in den ostpreußischen Knüpfteppichen. Als Einzelornament neben den Lebensbaum gestellt will es uns etwas sagen, aber wer kann es deuten? Es ist ein Jammer, dass sich unsere Wissenschaftler noch so wenig mit der Bildsprache in der Volkskunst beschäftigt haben.

Foto des Schicksalsteppichs mit Zahlenmarkierungen

Im Mittelfels weist die untere Gemsenreihe, das Haus mit dem steinbeschwerten Dach, die Glocke auf den First auf das Ursprungsland Salzburg der Familie Koller hin. (4) 1732 verließen mehrere Familienmitglieder des Glaubens wegen die angestammte Heimat Salzburg.(5) Mit Pferd und Wagen, geleitet von einem Vögelchen, (6) das die mitziehenden Segenswünsche andeutet, begann der mühevolle Treck nach Ostpreußen, wo Friedrich Wilhelm 1 den Heimatlosen in dem durch die Pest entvölkertem Land eine neue Wohnstatt gab. Die Menschen hatte die Pest dahingerafft, den Ordensbauten konnte die Seuche nichts anhaben. Sie standen und stehen noch und sind Wahrzeichen bis in die heutige Zeit. (7) Über den Ordensrittern und links und rechts von ihnen stehen 6 Lebensbäume,(8) die jeweils dem Namen der letzten in Ostpreußen geborenen Generation entspringen. Inge und Ursula Adam fanden auf der Flucht den Tod. (9) Ein Kreuz in der Randborte weist auf das tragische Geschick hin. (10) Oben im Teppich ist die Vertreibung aus Ostpreußen dargestellt. Kein Vögelchen begleitet den Treck (11), nur wenige Menschen bleiben in der Heimat zurück, sie klammern sich vergeblich an den alten Lebensraum, den Lebensbaum, die Säge ist angesetzt. (12)

Ostpreußen und Ostfriesland haben nicht nur die erste Silbe gemein, sie weisen auch sonst verwandte Züge auf: Dort die brennende politische Grenze, hier der Kampf gegen die Angriffe des Meeres, stur und verbissen das einmal gesteckte Ziel verfolgend der Ostpreuße, ebenso wortkarg und ausdauernd der Ostfriese beim Deichbau, bei der Entwässerung des Landes. Würde das Geschlecht der Koller hier zu Ruhe kommen, sesshaft werden? War ich berechtigt ein Symbol für diese Landschaft in den Teppich hineinzusetzen? Ich wagte es nicht, und das war richtig; denn ein Bruder zog von hier nach Oldenburg, der andere nach Bremen, Neffen und Nichten leben verstreut in Niedersachsen.

Vielleicht findet sich nach Hunderten von Jahren wieder ein Wesen, das die Geschichte der Familie weiterschreibt mit dem Faden. Dann müssten auch wieder viele Sterne hineingewebt werden, denn unser wechselvolles Geschick spielt sich hier wie dort unter dem gleichen Gestirn ab, ist von Gott gewollt und wird von seiner Hand gelenkt.

Erna Koller

Portätfoto der Autorin Erna Koller
Zeitungsausschnitt Ostpreußenblatt 04. Januar 1964

Wunderbar verwebt, der uns erschuf,
in den bunten Teppich unseres Lebens
lichten Traum und dunkle Wirklichkeit.
Und wir wissen erst beim letzten Ruf:
Keinen dieser Fäden wob vergebens
Seine Hand in diese bunten Streifen,
die gemach enträtselnd wir begreifen
erst im Lichte Seiner Ewigkeiten.
Agnes Miegel
(zitiert von Erna Koller)

Handgeschriebenes Zitat von Agnes Miegel

8:             Pro Lebensbaum ein Initial: Horst, Klaus, Helga, Kurt, Ursula und Inge
9:            Ursula und Inge ertranken auf der Steuben
13:          Sechsstern: Zeichen für stets willkommene Einkehr ( Gasthäusern)

Jahrestreffen In Görlitz 2025 – Verronnene Träume und Realität – Rübezahl wacht noch im Hirschberger Tal

Die Salzburger finden in Görlitz an der Neiße ein ideales Quartier im Parkhotel. Eine kleine Vorhut kann sich in der „Destille“.“ im Nikolai-Viertel am Vorabend erfrischen. Am ersten Tag finde ich am Neißeufer eine Parkbank im Schatten und entdecke das schöne Motiv Peterskirche und Vierraden-Mühle; unweit der zwei alten Mühlen führt die Fußgänger-Brücke hinüber in das polnische Zgorzelec, diesen Stadtteil der einst niederschlesischen Stadt haben wir am Samstag zur Exkursion in das Hirschberger Tal mit einem bequemen Reisebus durchfahren. Vom deutschen Görlitz gewinnen wir am Freitag die allerbesten Eindrücke; ein erstes Orgelkonzert in der evangelischen Kirche Peter & Paul an der berühmten „Sonnen-Orgel“ erfreut uns in der Mittagsstunde.

Im Parkhotel treffen sich 42 Teilnehmer aus den Landesgruppen des Salzburger Vereins unter der Regie von Margrit Kempgen, der wir zu ihrem 75. Geburtstag noch die besten Wünsche aussprechen dürfen. Ein reich angefülltes Programm ist bis Sonntag sorgfältig vorbereitet: in der Stadt Görlitz u. a. eine Stadtrundfahrt in 3 Minibussen mit anschließendem Gastaufenthalt und Essen in der Evangelischen Stadtmission. Für alle 42 Salzburger ist am Freitagabend eine wunderbare Orgelandacht in der Peterskirche mit einem hervorragenden Organisten im Programm, der alle Extra-Register dieser Orgel mit ausgewählten Kompositionen zu Gehör bringt.

Ein stiller sommerlicher Abendspaziergang an der Ufer der Neiße zurück ins Parkhotel rundet den Tag harmonisch ab, mit Vorfreude auf die Samstag-Exkursion ins Hirschberger Tal. Die 120 km im Bus, immer längs des Riesengebirges mit Sicht auf die Schneekoppe, verrinnen in idyllischen Landschaften wie im Fluge.
In Erdmannsdorf entdecken wir die Spuren den einst ,Zillertaler Emigranten“ (1837)
im „Tiroler Haus“ bei bester polnischer Küche und mit Besichtigung der Tiroler Stuben und einer imposanten Rübezahl-Sammlung.

An den Abenden lesen wir zwei klassische Rübezahl-Sagen in der Hotelbar und erkennen, dass trotz aller verflossenen Zeit die lnhalte dieser Sagenschätze noch heute Gültigkeit haben können.

Bei willkommener Kaffeepause im Lomnitzer Museum (früher Remise) müssen wir erkennen, dass leider nur im Film die Pracht der ehemaligen Schlösser hier noch nachempfunden werden kann. Wenigstens das nicht gepflegte Schloss „Erdmannsdorf“ können wir aus dem Bus heraus sehen: Es war ein 3-flügeliger Barockbau (früherer Besitz von Feldmarschall August Graf Neidhardt von Gneisenau (1760–1831)) – klassizistisch umgebaut) Später von König Friedrich Wilhelm III. erworben und als Sommersitz mit großem Park genutzt. Friedrich August Stüler baut das Schloss für König Friedrich Wilhelm IV. neugotisch um; Parkanlage: Peter Joseph Lenné.

Nahe bei der Hofkirche (Karl Friedrich Schinkel) standen viele Häuser in Tiroler Bauweise, von denen wenige noch heute von der Neuansiedlung der Zillertaler 1837 zeugen.

Trotz zum Teil nicht erfüllten Erwartungen an das einst „Schlesische Elysium“ kehren wir entlang des Riesengebirges im komfortablen Reisebus zurück in das deutsche
Görlitz. Die Spuren der Zillertaler im einst Hirschberger Tal sind mit Fantasie noch
zu ahnen; von der einstigen Pracht der adeligen und royalen Paläste und Schlösser
können wir mit unseren Bildvorträgen noch gute Vorstellungen im Geiste entwickeln und uns hier und dort von der Sorgfalt polnischer Denkmalpfleger und Restauratoren lenken lassen. Der Wille nach Pflege dieser Kulturgüter im Rahmen des freien Europas ist beglückend in den wieder erstandenen Schönheiten der Stadt Görlitz zu erkennen.

Per Zufall entdecke ich während der Rückfährt im Bus einen ganz aktuellen Artikel in der „Sächsischen Zeitung“ (28.Juni 2025) – Sachsen-Panorama – „Die Görlitzerin Frau Margrit Kempgen führt an diesem Wochenende Salzburger Glaubens-Flüchtlinge (1732) ins Hirschberger Tal, selbst Nachfahrin dieser einst
Heimatvertriebenen“.

Mit großer Freude lese ich diesen Artikel unserer Salzburger Gruppe während der Heimfahrt vor – einen besseren Dank an ,unsere` Präsidentin Margrit Kempgen können auch wir nicht aussprechen.
Dr. Eckhard Schlemminger

Zum Jahreswechsel 2024 / 2025

Liebe Mitglieder und Freunde des Salzburger Vereins,
das Jahr 2024 hatte und hat es noch in sich!
Es brachte eine Fülle von Ereignissen und Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit sich, erfreuliche und unerfreuliche, konstruktive und destruktive. Bei manchen Ereignissen weiß man nicht, wie sie sich weiter entwickeln werden, und man blickt sorgenvoll in die Zukunft.
Und zugleich ist da die Hoffnung, dass doch alles gut ausgehen möge.
Das, was sich im Großen in dieser Welt abspielt, erleben sicherlich viele von Ihnen
auch im Kleinen, im Privaten – einschneidende Ereignisse, schleichende Veränderungen und die Ungewissheit, ob und wenn ja, wie es weitergeht. Diese Situation trifft auch auf unseren Salzburger Verein zu.
Wir blicken dankbar auf unser Jahrestreffen in Bischofshofen zurück und die gerade auch in der Person von Hofrätin Walcher begründeten guten Beziehungen zum Land Salzburg. Und wir freuen uns auf das Jahrestreffen 2025 in Görlitz.
Aber zugleich ist unser Verein mittelbar oder unmittelbar von wichtigen Veränderungen betroffen. So muss sich die „Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen“ aufgrund der russischen Gesetze aus der russischen „Stiftung Diakoniezentrum Gusev“, die die Diakoniestation in Gumbinnen/Gusev betreibt, zurückziehen. Wir haben für 1 Jahr eine Lösung gefunden, damit die Schwerstpflegebedürftigen auch weiter betreut werden.
Und wir arbeiten weiter an einer dauerhaften Lösung. Der Ausgang ist offen.
Auch beim „Wohnstift Salzburg e.V.“ steht eine Veränderung bevor. Damit das Wohnstift für die Zukunft gut aufgestellt ist, bedarf es einer Rechtsformänderung.
Aus dem gemeinnützigen Wohnstift Salzburg e.V. wird im Laufe des nächsten Jahres die gemeinnützige GmbH „Wohnstift Salzburg“, bei der der Salzburger Verein Gesellschafter werden wird.
Und auch beim Salzburger Verein müssen wir in die Zukunft denken. Bei unserer kürzlich erfolgten Mitgliederversammlung stellte uns die Geschäftsstelle die Mitgliederstatistik und die Einnahme-/Ausgabezahlen vor Augen. Noch immer sind wir knapp 500 Mitglieder, aber es werden kontinuierlich weniger, und entsprechend weniger werden unsere Einnahmen. Von daher schließe ich mein Grußwort mit zwei
Bitten: Sprechen Sie Interessierte an, werben Sie für unseren Verein und lassen Sie uns, wenn es Ihnen finanziell möglich ist, eine Spende zukommen.
Ganz herzlichen Dank!
Unsere Ziele und unsere Arbeit sind es wert, auch weiterhin unterstützt zu werden.
Ich grüße Sie mit der Jahreslosung 2025: „Prüft alles und behaltet das Gute.“
(1. Thessalonicher 5,21) und wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit sowie Zuversicht für das Neue Jahr.
Auf ein frohes Wiedersehen im Jahr 2025.
Ihre Margrit Kempgen.

Feierlichkeit – 50. Jubiläum der Landesgruppe Niedersachsen

Frau Vockerodt und Frau Frommer hatten viel vorbereitet und auch unsere Hamburger Gäste hatten einiges mitgebracht. Ich war überrascht von der Vielfalt der Gäste und freute mich riesig, das alles so gut über die Bühne ging. Herzlichen Dank an Herr Kleiber, der extra den weiten Weg von Bielefeld zu uns machte, um mir dann die Ehrenurkunde zu überreichen. Wir durften auch wieder in den Räumen des Niedersächsischen Landesverein für Familienkunde e. V. tagen – ein großes Lob ebenfalls dahin.

Der Vortrag von H. Scheffler hatte das Thema: Gute (?) alte Zeiten – Erkenntnisse aus der Familienforschung zu Lebensumständen unserer ostpreußischen Vorfahren im Alltag wie in Krisenzeiten! Er berichtete also über das Alltagsleben in der Dorfgemeinschaft, auf dem Hof und in der Familie, in Kirche und Schule sowie bei der Arbeit. Über Sitten und Bräuche im früheren Ostpreußen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Weiter wurde auf die Auswirkungen historischer Ereignisse mit Seuchen, Katastrophen und Kriegen eingegangen, zuletzt mit Erlebnisschilderungen von Flucht und Vertreibung wie Wiederanfang in Norddeutschland.

Elke Fritzenwalder

Das „Frankenburger Würfelspiel“ in Sulzbürg, Oberpfalz

Am 31. August 2024 besuchten wir eine kurios anmutende Aufführung in Sulzbürg, unweit unseres oberpfälzischen Wohnortes: das „Frankenburger Würfelspiels“. Der Ort Sulzbürg (ca. 500 Einwohner) mit überwiegend evangelischem Bevölkerungsanteil, liegt in einem Landstrich 40 km süd-östlich von Nürnberg, der in im 17. Jh. insgesamt über ca. 100000 Protestanten kleineren Gruppen aus Oberösterreich aufgenommen hatte. Das historische Schauspiel aus der Zeit des 30-jährigen Krieges sollte laut Ankündigung den Beginn von Vertreibung und Verfolgung evangelischer Christen aus dem „Landl ob der Enns“ zeigen.

Es war ein einmaliges Ereignis, zu dem Sulzbürg einlud. Über 100 Laienschauspieler aus Frankenburg wollten ihr Würfelspiel in voller Länge auf dem Schloßberg von Sulzbürg zum Besten geben. So wurde in 1, 5 Stunden eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1625 erzählt, als das protestantische „Landl ob der Enns“ von den bayerischen Besatzern „katholisch“ gemacht werden sollte. Beispielhaft für das unnachgiebige Vorgehen der katholischen Bayern stand ein Blutgericht, das am 15. Mai 1625 in der Nähe von Frankenburg stattgefunden hat. Der bayerische Statthalter Graf Herperstorff ließ hierzu etwa 5000 protestantische Bauern aus dem Umland zum Haushamerfeld kommen. Als Abschreckung gegen jeglichen Widerstand mussten 36 aufständische Protestanten gegeneinander um ihr Leben würfeln. Die Verlierer wurden kurzerhand gehängt. Hernach begann die Verfolgung und Vertreibung evangelischer Christen aus dem „Landl ob der Enns“.

Das „Frankenburger Würfelspiel“ erinnert an dieses grausame Ereignis. Seit 1925 wird dieses Spiel alle zwei Jahre in der Marktgemeinde Frankenburg am Hausruck, Oberösterreich, dargeboten. Dann stehen bis zu zehn Aufführungen auf dem Programm, die jeweils von mehreren tausend Zuschauern besucht werden. Spielort ist dabei das eigene Würfelspielgelände, das mit 2000 Sitzplätzen zu den größten Freiluftbühnen Europas zählt.
Die zwei Vorstellungen unter freiem Himmel bzw. unter einer stattlichen Linde zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche auf dem Schlossberg zu Sulzbürg waren restlos ausverkauft (ca. 500 Besucher je Vorstellung). Die Laien-Schauspieler aus OÖ spielten dieBegebenheit sehr glaubhaft und mit sehr großem Engagement und Aufwand. Die Zuschauer – nach den Nummernschildern des Parkplatzes zu urteilen aus ganz Bayern/Süddeutschland – waren ergriffen und begeistert und zahlten den Schauspielern den besten Lohn in der Form von anhaltendem Applaus. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mühlhausen/Sulzbürg, Dr. Martin Hundsdorfer, führte mit treffenden Worten in die Aufführung ein und sprach am Ende freundschaftliche Dankesworte.
In anschließenden Gesprächen mit örtlichen Aktivisten und mit dem Obmann der Theatergruppe „Das Würfelspiel“ erfuhren wir, dass sich seit 2019 ein Freundeskreis der heute in Sulzbürg Lebenden mit OÖ-Wurzeln und der Gemeinde Frankenburg in OÖ gebildet hat. Die gefühlte Identität mit den Exulanten aus dem „Landl ob der Enns“ von damals ist nach wie vor groß; voller Stolz bezeichnen sich die Sulzbürger (kein Zusammenhang zu „Salzburg“) noch heute als „Landler“. Ihr Heimatmuseum heißt „Landlmuseum“.
Der Obmann des Frankenburger Würfelspiel Michael Neudorfer lädt den Salzburger Verein für einen Besuch einer der mehreren Vorstellungen im Jubiläums-Sommer 2025 (1925 war die erste Theater-Aufführung) nach Frankenburg ein; beiliegende Ankündigung sollte in den „Salzburger Nachrichten“ veröffentlicht werden.
Die LG Bayern plant einen solchen Theaterbesuch nächstes Jahr. Jedes Mitglied kann sich an der gemeinsamen Fahrt beteiligen.
Lothar und Christiane Kroll

„Man muss es so einrichten, dass einem das Ziel entgegenkommen“

Dieses Mal weder FONTANE, noch die Mark Brandenburg, sondern der Emigrations-Weg zweier Züge der Salzburgischen Emigranten 1731/32 nach Preußisch-Litauen – mit Fähr- Übersetzen über die damals viel weiter westlich verlaufende Oder – sind das Ziel einer Wochenend-Exkursion der Landesgruppe Berlin-Brandenburg im Salzburger Verein e. V. .

Beim Jahrestreffen im Juni in Bischofshofen entdeckte ich nur wenige Berliner Teilnehmer, so dass ich sehr bald der Einladung von Herrn Burchard und seiner Landesgruppe zur Fahrt nach Bad Freienwalde am 24.08.24 – mit inhaltsreichem Programm folgen konnte.

Ich halte es nach meinem Studium in „Chronik der Marschzüge“ von Norbert Stein 2011 für denkbar, dass meine Vorfahren SCHLEMMINGER (M a s c h l) in der >6. Parthie zu Lande<, in den Zügen XIV und XV nach Brandenburg-Preußen – auf dem Landwege mit Wagen und Pferden – den Emigrationsweg über Freienwalde gegangen sind.

Ich zitiere aus der Chronik (Seite 523 ff):
1732
BERLIN
(Kurmark, zu Brandenburg-Preußen, Mittelmark)
Abmarsch mit 109 Wagen und 189 Pferden – GÖCKING II: 436 Personen. Möglicherweise bestanden schon beim Abmarsch 2 Trupps.
17.09. –
Werneuchen
18.09. –
Freienwalde : Kollekte erbringt 13 Thaler und etliche Groschen. Im Göcking II: kein Hinweis, ob es in Freienwalde auch Übernachtungen gegeben hat.
19.09.:
Oder-Überfahrt : Fährpächter und Fährknechte zeigen sich unwillig, eine Fähr -Gratisleistung zu erbringen. Amtmann Tornarius aus Zehden bezahlt die Überfahrt mit 8 Thalern aus seinen Mitteln: in die
Neumark. Cüstrinchen
(heute polnisch Stary Kostrzynek): Liebreiche Aufnahme, Verpflegung mit Speis und Trank; gutes Nachtquartier.
20.09.
Zehden: Sehr gute Aufnahme, beste Verpflegung. Kollekte erbringt 30 Thaler, 16 Groschen, 1 Dreier; die Emigranten laufen freudig vor dem Bildnis des Königs Friedrich Wilhelm I. in den Stuben auf dem Amt zusammen. Es erfolgt ein Brief nach Berlin mit der Bitte um Übersendung weiterer Salzburger. Der weitere Verlauf dieses Emigrationsweges der 6. Partie zu Lande geht weiter in das Herzogtum Pommern. Dann in das Herzogtum Pommerellen/Königreich Polen. Hier im katholischen Gebiet, mit Eskorte einer Kompanie Dragoner, weiter über Stargard, Marienwerder, Preußisch Holland, durch das Fürstentum Ermland (Polen); weiter in evangelisches Gebiet Heiligenbeil, Brandenburg, Königsberg

Teile der 6. Parthie zu Lande ziehen nach Tilsit weiter. – Der weitere Emigrationsweg meiner Schlemminger-Vorfahren nach
Baragehlen, Kreis Pillkallen, Nähe zum Kirchspiel Schirwindt, geht aus dieser Chronik der Marschzüge nicht mehr hervor.

Es ist ungewiss, wie die Berlin-Brandenburger Gruppe der ‚Salzburger‘ unseren Besuch aus Hamburg wahrnimmt – eigentlich habe ich mich selbst eingeladen, da mich die Region Eberswalde und Bad Freienwalde interessiert. Ich mache auch immer Werbung für Besuche der Landesgruppen untereinander. Die Berliner Gruppe weist ähnlich meiner LG Nord noch die größte MG-Zahl auf. Ich habe Herrn Burchard immer zu Aktivitäten und zu schriftlichen Beiträgen ermuntert – er ist ein würdiger, engagierter Nachfolger von Herrn Berger, der wegen chronischer Erkrankung seine Funktion als Obmann rechtzeitig an Herrn Burchard als seinen Nachfolger abgegeben hat. Ich habe meine Teilnahme telefonisch zugesagt, mir eine Fahrkarte besorgt und ein Hotel in Berlin gebucht. In Lichterfelde Ost hat Konrad Urban das Hotel „Miles“ gefunden, und ich habe das letzte freie Einzelzimmer erwischt. So kann ich die Freunde Konrad & Helmut im nahen Lankwitz treffen. Bad Freienwalde kann ich am 24. 08. Auch sehr bequem mit Regional-Zügen ab Lichterfelde Ost erreichen.

Die Salzburger treffen sich um 11:00 Uhr in Bad Freienwalde in der Stadtpfarrkirche St. Nikolai. Ich konnte aus meiner Gruppe Frau Bergholter (Lüneburg/Berlin-Mitte) zur Teilnahme motivieren, so dass wir zu zweit als Gäste der Berliner Gruppe teilnehmen können.- Schon auf dem Bahnhof Bad Freienwalde erkennen wir viele der uns vertrauten Berliner. – Die Bahnhofstrasse aufwärts in der sehr freundlich anmutenden Stadt gelangt man am aufstrebenden Markt direkt auf die hoch oben ruhende mächtige Nikolai-Kirche in rotem Backstein, die einladend ihre Pforten für uns geöffnet hat. Ein junger Mann dieser Kirche begrüßt uns und erklärt uns später die Baugeschichte der Kirche. Für uns ist immer interessant das 18. Jh., als die Salzburger zwei Emigrantenzüge Freienwalde als Tagesziel erreichten, hier betreut wurden, um am nächsten Tag über die ‚alte‘ Oder mit Fähren überzusetzen. Wir sind beeindruckt vom Renaissance Hochaltar, zwei barocken Epitaphen, einem sehr alten Taufbecken aus den 13. Jh., einer imposanten großen Orgelempore und einer gut restaurierten (SAUER/Walter) Orgel – leider ohne eine heutige Orgel-Musik. – Anstelle einer Predigt trägt ein MG der Berliner Salzburger Gedanken über die Bergpredigt vor: „Selig sind die Friedfertigen“ – welcher Text kann besser passen für diese Exkursion der Salzburger, auf den Spuren ihrer Emigranten-Vorfahren im Oder-Ländischen!
Vor dieser passenden Andacht entzündet eine Dame eine Kerze für eine jüngst verstorbene Frau aus der Berliner Gruppe; dieses symbolische Licht leuchtet dann auf dem Taufbecken: mich erinnert es in stillem Gedenken an unsere Verstorbenen Astrid Neßlinger aus Göttingen und Hans-Martin Arnold aus Nürnberg. Und mit dem Lied „Großer Gott wir loben dich“ findet unsere Salzburger Gemeinschaft in St. Nikolai einen harmonischen Abschluss. Die gegenwärtige Situation der Evangelischen Kirchen im Land Brandenburg ist: wie überall!

Bei prächtigem Sommerwetter führt uns eine kleine Stadt-Tour in ein neues Indisches Restaurant zum Mittagessen. Dort begrüßt uns sodann eine Stadtführerin, die uns die wichtigen Merkmale der Stadt Freienwalde, den Kurbetrieb der Moorbäder und den Bestand an Einwohnern erklärt. Leider können wir nur einen sehr kleinen Anteil der touristischen Sehenswürdigkeiten der Stadt erahnen: eine „Kneipp-Strecke“ und eine Wandertour „Atem Schöpfen – Waldbaden“ lassen sich in unserem Rundgang leider nicht unterbringen. Der Tourismus-Flyer zeigt an: Schiffmühle, der Ortsteil Hohenwutzen liegt malerisch zwischen der Alten Oder und der breiten Strom-Oder. Die Hohenwutzener Brücke führt heute über den Fluss nach Polen. Straßendorf Altglietzen, nahe der Grenze u Polen, mit Dorfkirche samt Pfarrhaus und die örtliche Ziegelei GOLEM. Das Dorf Bralitz in einer Schleife der Alten Oder, durchzogen von mehreren kleinen Seen mit Sandstrand und Badeplätzen. Neuenhagen im Zentrum der gleichnamigen Insel – von Oder und Alter Oder umschlosen: Schloss Neuenhagen lädt Touristen zu einem Besuch. Und Herrenhaus „Altranft“. – Wir sehen mit Vergnügen in der im Krieg nicht zerstörten Altstadt gut erhaltene spät-barocke und klassizistische Häuser, zwischen Markt, Rathaus, Stadtkirche St. Nikolai und der Königstraße, mit der mehr als 320 Jahre alten heutigen Konzerthalle – früher Kirche St. Georg. – Auch für das Schloss und Kurfürstenquelle, oder für das Wandeln auf den Spuren von Theodor Fontane, reicht unsere Tageszeit heute nicht.

Umso bedeutender: wir besuchen innerhalb unserer Stadtführung das Denkmal der früheren Synagoge: es soll uns mahnend an die praktische historische Hilfe durch jüdische und katholische Bürger – für die Salzburger Emigranten 1732 erinnern.

Ein Gemeinschafts-Foto vor dem Rathaus zusammen mit drei polnischen Gästen aus „Cüstrinchen“ rundet die Bilder aus dieser schönen Stadt Bad Freienwalde ab. Ein Espresso und ein Vanille-Eis im Café „Fontana“ erfrischen uns für die Eisenbahnfahrt zurück, über Eberswalde nach Berlin-Lichterfelde. – Sanft ermattet, mit guten Impressionen, erreiche ich mein Hotel. –

Unsere kleine Abordnung aus Hamburg ist dankbar für die gute Gemeinschaft mit der Berlin-Brandenburger Landesgruppe der Salzburger.
Weitere Bilder sind hier zu sehen.

Exkursion nach Bad-Freienwalde

Es ist ungewiss, wie die Berlin-Brandenburger Gruppe der ‚Salzburger‘ unseren Besuch aus Hamburg wahrnimmt – eigentlich habe ich mich selbst eingeladen, da mich die Region Eberswalde und Bad Freienwalde interessiert. Ich mache auch immer Werbung für Besuche der Landesgruppen untereinander. Die Berliner Gruppe weist ähnlich meiner LG Nord noch die größte MG-Zahl auf. Ich habe Herrn Burchard immer zu Aktivitäten und zu schriftlichen Beiträgen ermuntert – er ist ein würdiger, engagierter Nachfolger von Herrn Berger, der wegen chronischer Erkrankung seine Funktion als Obmann rechtzeitig an Herrn Burchard als seinen Nachfolger abgegeben hat.

„MAN MUSS ES SO EINRICHTEN, DASS EINEM DAS ZIEL ENTGEGENKOMMT“
Th. Fontane

Ich habe meine Teilnahme telefonisch zugesagt, mir eine Fahrkarte besorgt und ein Hotel in Berlin gebucht. In Lichterfelde Ost hat Konrad Urban das Hotel „Miles“ gefunden, und ich habe das letzte freie Einzelzimmer erwischt. So kann ich die Freunde Konrad & Helmut im nahen Lankwitz treffen. Bad Freienwalde kann ich am 24. 08. auch sehr bequem mit Regional-Zügen ab Lichterfelde Ost erreichen.

Die Salzburger treffen sich um 11:00 Uhr in Bad Freienwalde in der Stadtpfarrkirche St. Nikolai. Ich konnte aus meiner Gruppe Frau Bergholter (Lüneburg/Berlin-Mitte) zur Teilnahme motivieren, so dass wir zu zweit als Gäste der Berliner Gruppe teilnehmen können.- Schon auf dem Bahnhof Bad Freienwalde erkennen wir viele der uns vertrauten Berliner. – Die Bahnhofstrasse aufwärts in der sehr freundlich anmutenden Stadt gelangt man am aufstrebenden Markt direkt auf die hoch oben ruhende mächtige Nikolai-Kirche in rotem Backstein, die einladend ihre Pforten für uns geöffnet hat. Ein junger Mann dieser Kirche begrüßt uns und erklärt uns später die Baugeschichte der Kirche. Für uns ist immer interessant das 18. Jh., als die Salzburger zwei Emigrantenzüge Freienwalde als Tagesziel erreichten, hier betreut wurden, um am nächsten Tag über die ‚alte‘ Oder mit Fähren überzusetzen.

Wir sind beeindruckt vom Renaissance Hochaltar, zwei barocken Epitaphen, einem sehr alten Taufbecken aus den 13. Jh., einer imposanten großen Orgelempore und einer gut restaurierten (SAUER/Walter) Orgel – leider ohne eine heutige Orgel-Musik. – Anstelle einer Predigt trägt ein MG der Berliner Salzburger Gedanken über die Bergpredigt vor: „Selig sind die Friedfertigen“ – welcher Text kann besser passen für diese Exkursion der Salzburger, auf den Spuren ihrer Emigranten-Vorfahren im Oder-Ländischen! Vor dieser passenden Andacht entzündet eine Dame eine Kerze für eine jüngst verstorbene Frau aus der Berliner Gruppe; dieses symbolische Licht leuchtet dann auf dem Taufbecken: mich erinnert es in stillem Gedenken an unsere Verstorbenen Astrid Neßlinger aus Göttingen und Hans-Martin Arnold aus Nürnberg. Und mit dem Lied „Großer Gott wir loben dich“ findet unsere Salzburger Gemeinschaft in St. Nikolai einen harmonischen Abschluss. Die gegenwärtige Situation der Evangelischen Kirchen im Land Brandenburg ist: wie überall!

Bei prächtigem Sommerwetter führt uns eine kleine Stadt-Tour in ein neues Indisches Restaurant zum Mittagessen. Dort begrüßt uns sodann eine Stadtführerin, die uns die wichtigen Merkmale der Stadt Freienwalde, den Kurbetrieb der Moorbäder und den Bestand an Einwohnern erklärt. Leider können wir nur einen sehr kleinen Anteil der touristischen Sehenswürdigkeiten der Stadt erahnen: eine „Kneipp-Strecke“ und eine Wandertour „Atem Schöpfen – Waldbaden“ lassen sich in unserem Rundgang leider nicht unterbringen. Der Tourismus-Flyer zeigt an: Schiffmühle, der Ortsteil Hohenwutzen liegt malerisch zwischen der Alten Oder und der breiten Strom-Oder. Die Hohenwutzener Brücke führt heute über den Fluss nach Polen. Straßendorf Altglietzen, nahe der Grenze u Polen, mit Dorfkirche samt Pfarrhaus und die örtliche Ziegelei GOLEM. Das Dorf Bralitz in einer Schleife der Alten Oder, durchzogen von mehreren kleinen Seen mit Sandstrand und Badeplätzen. Neuenhagen im Zentrum der gleichnamigen Insel – von Oder und Alter Oder umschlosen: Schloss Neuenhagen lädt Touristen zu einem Besuch. Und Herrenhaus „Altranft“. – Wir sehen mit Vergnügen in der im Krieg nicht zerstörten Altstadt gut erhaltene spät-barocke und klassizistische Häuser, zwischen Markt, Rathaus, Stadtkirche St. Nikolai und der Königstraße, mit der mehr als 320 Jahre alten heutigen Konzerthalle – früher Kirche St. Georg. – Auch für das Schloss und Kurfürstenquelle, oder für das Wandeln auf den Spuren von Theodor Fontane, reicht unsere Tageszeit heute nicht.

Umso bedeutender: wir besuchen innerhalb unserer Stadtführung das Denkmal der früheren Synagoge: es soll uns mahnend an die praktische historische Hilfe durch jüdische und katholische Bürger – für die Salzburger Emigranten 1732 erinnern. –

Ein Gemeinschafts-Foto vor dem Rathaus zusammen mit drei polnischen Gästen aus „Cüstrinchen“ rundet die Bilder aus dieser schönen Stadt Bad Freienwalde ab.

Ein Espresso und ein Vanille-Eis im Café „Fontana“ erfrischen uns für die Eisenbahnfahrt zurück, über Eberswalde nach Berlin-Lichterfelde. – Sanft ermattet, mit guten Impressionen, erreiche ich mein Hotel. –
Unsere kleine Abordnung aus Hamburg ist dankbar für die gute Gemeinschaft mit der Berlin-Brandenburger Landesgruppe der Salzburger.

Dr. Eckhard Schlemminger

Beitrag zeitung


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Sommerausflug der Landesgruppe Bayern nach Goldegg, Schwarzach und St. Veit

Die Erinnerung an die Salzburger Protestanten wird in diesen drei benachbarten Gemeinden im Salzachpongau erfreulich lebendig gehalten – man muss nur an den richtigen Stellen danach suchen.

Peter Vogelreuter, Leiter der Landesgruppe Bayern, hat seine Kontakte vor Ort genutzt, um ein vielfältiges Tagesprogramm für den 30. Juni 2024 zusammenzustellen.

Der Ausflug begann mit einem Treffen mit Vorort-Kontakt Max Stürmer, der bestens in der dortigen Bildungsarbeit und Traditionspflege vernetzt ist. Wir trafen uns am Denkmal für die Salzburger Exulanten, das auf dem Schwarzacher Marktplatz steht, eines der wenigen Denkmale für die Vertreibung im öffentlichen Raum im Bundesland Salzburg. Gleich danach stand eine kurze Visite im Gemeindeamt
Schwarzach an, wo die Tischplatte des berühmten „Salzleckertisches“ ausgestellt ist. Die Tischplatte wurde im 19. Jahrhundert nachträglich mit einem stimmungsvollen Gemälde des Salzschwurs versehen. Dieser hat sich wohl am 5. August 1731 zugetragen, als etwa 150 Pongauer und Pinzgauer Protestanten schworen,
sich niemals von ihrem Glauben abbringen zu lassen – trotz zunehmender Drangsalierungen durch Erzbischof Firmian, der zu dieser Zeit bereits begonnen hatte, erste Truppen in den Pongau schicken, um die Protestanten im Zaum zu halten. Dazu wurde ein Salzfass in die Runde gereicht, in das jeder zum Schwur seine Finger der rechten Hand steckte und dann das Salz ableckte. Interessant und erfreulich ist, dass in der Region auch heute noch mit Stolz an die Standhaftigkeit der „Salzlecker“ erinnert wird. So tragen sowohl die Trachtenmusikkapelle Schwarzach als auch der
Schützenverein der Gemeinde diese Bezeichnung in ihrem Namen.

Nächster Stopp des Ausflugs war das Pongauer Heimatmuseum im Schloss Goldegg, nur wenige Kilometer von Schwarzach entfernt. Hier gibt es mehrere Stuben, die an die Geschichte der Protestanten sowie das Leben der späteren Generationen in Ostpreußen erinnern. So gibt es unter anderem interessante Bilderserien von der 200-Jahrfeier der Einwanderung der Salzburger in Ostpreußen, die im Juni 1932 in
Gumbinnen gefeiert wurde. Bei dieser Führung war Cyriak Schwaighofer dabei, mit seinen 74 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter im Museum, der auch auf eine erfolgreiche politische Karriere zurückblicken kann, unter anderem 19 Jahre Abgeordneter für die Grünen im Salzburger Landtag und davon fast 13 Jahre
Landessprecher der Salzburger Grünen.

Nach kurzer Fahrt nach St. Veit, oberhalb von Schwarzach auf einem regelrechten Sonnenplateau gelegen,gab e s zunächst ein Mittagessen und dann folgte der Besuch des Seelackenmuseums. Es handelt sich dabei um ein Bauernhaus aus Schwarzach, das originalgetreu als Museum an diesen neuen Platz gesetzt wurde.
Neben vielen Informationen zum bäuerlichen Leben und zum Aufenthalt des Schriftstellers Thomas Bernhards in der örtlichen Lungenheilanstalt gibt es auch hier eine große Stube mit einer Ausstellung und vielen Dokumenten zu den Salzburger Protestanten. Besonders eindrucksvoll waren Reproduktionen der von den erzbischöflichen Spitzeln erstellten Listen von Orten, an denen die Protestanten aus St. Veit in ihren Häusern ihre Bibeln und Schriften versteckten („Beschreibung derjenigen haimblischen Örthern, darin die Lutherischen St. Veitner ihre Kezerischen Büecher verborgen gehalten“).
Fazit des Besuches: So viele Erinnerungen an die Salzburger Protestanten so nah beieinander sind schon etwas sehr Besonderes. Ebenso der herzliche und freundschaftliche Empfang der Salzburger Nachkommen.
Eine besonders gute Nachricht noch zum Schluss: Bei der in den nächsten Jahren anstehenden Umgestaltung des Museums im Goldegger Schloss soll die Geschichte der Salzburger Protestanten noch mehr ins Zentrum rücken. Hier ergibt sich hoffentlich die Möglichkeit für den Salzburger Verein, dieses Vorhaben ideell zu fördern.

Katharina Toparkus & Peter Vogelreuter