Zusammen mit dem Stadtheimatpfleger von Regensburg Prof. Dr. Waldherr, dem Stadtarchivar Baibl und Frau Dr. Gottfriedsen von der ev. Kirche planten wir – „Plattform Geschichte“ (Salzburger Bildungswerk) mit Max Stürmer und der Interessens- und Nachkommens-Gemeinschaft Salzburger Exulanten (ING Salzburger Exulanten) mit Peter Vogelreuter und Lothar Kroll – in intensiven Vorgesprächen und Besichtigungen ab Herbst 2025 diese Studienreise, die ebenso als Frühjahrs-Exkursion 2026 innerhalb der LG Bayern angekündigt wurde.

Nach pünktlichem Eintreffen des Busses aus dem Pongau begannen wir am Freitag bei sommerlichem Wetter um 10 Uhr unseren historischen Info-Gang mit dem Stadtheimatpfleger Prof. Waldherr (Geschichtsprofessor, erstklassige und exklusive Betreuung beider Tage!) von Stadtamhof(früher nicht zur freien Reichsstadt gehörend) über die Steinerne Brücke zum Alten Rathaus. Mit einer relativ kurzen Bauzeit von 11 Jahren gilt die in der wirtschaftlichen Blütezeit von Regensburg 1146 fertiggestellte, komplett aus Stein erbaute Steinerne Brücke als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und als die älteste erhaltene Brücke in Deutschland.  

Im Alten Rathaus wurden wir von der Stadt- und Bezirksrätin Bernadette Dechant im Reichstagssaal – praktisch auf der „Langen Bank“ – mit kurzer Vorstellung von Regensburg und einem Getränk (serviert auf dem „grünem Tisch“) empfangen. Wir wurden von einer Historikerin vom „Dokument Reichstag“ fachkundig durch den beeindruckenden Reichssaal, in dem die Beschlüsse des (Immerwährenden)

Reichstags gefasst wurden, und Beratungszimmern bis zu den von der Stadt betriebenen, furchteinflößenden „Verhörräumen“ darunter geführt und bekamen so einen Eindruck damaligen Geschehens. Da bisher keine entsprechende Quelle bekannt ist, konnten wir keine näheren Einzelheiten sowie eine Verortung der Sitzungen des von den Salzburger Protestanten mehrfach angerufenen „Corpus Evangelicorum“ erhalten.

Nach der Mittagspause waren wir Gäste im Stadtarchiv, wo uns der Stadtarchivar Baibl historische Dokumente zur Geschichte der Stadt in Verbindung mit Salzburger und österreichischen Protestanten jeweils im Original präsentierte; Frau Dr. Gottfriedsen und Frau Dr. Micus (Museumsleiterin ev. Diözesanmuseum) erklärten uns die einmaligen Archivalen. Danach ging’s erstmal zum Hotel-Einchecken; um 19 Uhr versammelten wir uns im Alumneum (ev. Bildungswerk), um den Vortrag von Frau Dr. Gottfriedsen: „Kommt, eilt nach Regensburg!“ zu hören.

Hierbei stießen Kerstin Dankhoff und Thomas Neubacher aus Senftenberg zu uns, was uns sehr erfreute und große Anerkennung wegen der langen Anreise verdient. Frau Dr. Gottfriedsen erläuterte anhand des Wirkens von einzelnen Persönlichkeiten die religiöse Entwicklung der freien Reichsstadt von einer altgläubig katholischen zur evangelischen (1542). Die von ihr transkribierten Augenzeugenberichte über den kurzen Aufenthalt Salzburger Exulanten 1732 waren sehr aufschlussreich. An die in Regensburg gebliebenen Glaubensflüchtlinge erinnern nurmehr einige herrschaftliche Gebäude und Straßennamen. Ein erholsamer und gemütlicher Ausklang fand im barocken „Augustinerhof“ (ehem. Kloster) zusammen mit der Referentin und unserem Stadtführer statt.

Am Samstag holte uns Prof. Waldherr um 9:45 am Schwanenplatz ab und führte uns mit vielen Erläuterungen zu historischen Bauten (romanische Kirche St. Ulrich) und zu Plätzen (Kornmarkt, Herzogspfalz „Wiege“ Bayerns) am imposanten Dom zur

Dreieinigkeitskirche. Hier übernahm Herr Berghoff die Spezial-Führung in der seit 1627 im Original erhaltenen ev. Kirche mit paralleler Geschichte der Reformation in der Stadt. Als besonderes Schmankerl durften wir den genial konstruierten Dachstuhl

des ohne Pfeiler errichteten, darunter liegenden Kirchenschiffs bewundern, der uns bis ins Detail in mitreißender Erzählkunst erklärt wurde. Anschließend übernahm Herr Dr. Weindl die tiefschürfende Besichtigung des hinter der Dreieinigkeitskirche liegenden Gesandtenfriedhofs mit den Epitaphen und den unter Grabplatten liegenden Grabkammern der in Regensburg verstorbenen Gesandten beim Immerwährenden Reichstag (1653 – 1806) aus den deutschsprachigen und europäischen Ländern. Danach gings es zum Neupfarrplatz, wo im Mittelalter ein jüdisches Viertel stand. Nach deren Vertreibung aus der Stadt (1519) entstand dort ein Platz zuerst mit einer Wallfahrtskirche und später einer evangelischen Kirche, deren Bau auch durch den Zustrom österreichischer Glaubensflüchtlinge (verstärkt ab 1626) aus Kapazitätsgründen erforderlich war. Für den mehrmals am Tag stattgefundenen Gottesdienst wurde nach Ankunft von ca. 800 Glaubensflüchtlingen vom Dürrnberg (Hallein) und aus der Probstei Berchtesgaden Ende 1732 (die Züge der Salzburger Exulanten im Frühjahr 1732 ging in Richtung Memmingen an Regensburg vorbei) eigens eine städtische Verordnung erlassen. In der Neupfarrkirche erläuterte uns Herr Berghoff den in der Kirche ehemals (1554) aufgestellten einmaligen Altar von Michael Ostendorfer und präsentierte

verschiedene Stiftungen österreichischer Exulanten (z. B. das silberne Taufbecken). Herr Berghoff hatte uns mit seiner erzählerischen und mimischen Überzeugungskraft über das von ihm gezeigte Sichtbare in die Ideen der damaligen Menschen einfühlsam versetzen können. Herr Prof. Waldherr entließ uns an der Neupfarrkirche in der bei uns allen mehr als erfüllten Hoffnung, dass er der Gruppe einen kurzen, aber prägnanten Über- und Einblick in die Altstadtgeschichte von Regensburg – seit 2006 Weltkulturerbe – liefern konnte. Die Gruppe begab sich um 15 Uhr zum imposanten Dom, wo uns eine professionelle Kompakt-Führung erwartete. Mit einer anschließenden leiblichen Stärkung im „Weltenburger“ (Teil der alten Herzogspfalz) trennten sich die Salzburger von ihren bayerischen Freunden um 18 Uhr mit einem wohligen Völle-Gefühl von Informationen, Eindrücken, Gesprächen und Erlebtem.

Peter Vogelreuter und Lothar Kroll