Autor: Redaktion

König Friedrich Wilhelm I.

lädt die Salzburger Emigranten nach Preußen ein

Die Emigration von mehr als 20.000 Protestanten aus dem Land Salzburg in den Jahren 1731/32 hat nicht nur in zahlreichen zeitgenössischen Schriften und Büchern ihren Niederschlag gefunden, sondern auch auf Bilderbögen, Bilderserien, Gedenkblättern, Faltbriefen, Schraubmedaillen und ihren Bilderzyklen, Porträtstichen, Landkarten, Andachts- und Aquarellbildern.

Durch seine Vielseitigkeit gibt uns dieses Bildgut einen lebendigen Einblick in das Emigrationsgeschehen. Zugleich erfahren wir etwas über das Empfinden und Denken der Menschen jener Zeit.

Die Herstellung dieser Graphiken verfolgte nicht nur das Ziel, von protestantischer Seite die Martyriumfreudigkeit und den richtigen Weg der vertriebenen Salzburger zum Glauben zu zeigen. Auch wurde so an das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft für die wandernden Menschen appelliert. Vor allem aber versprachen sich die Herausgeber auch einen guten Absatz durch die Darstellungen dieses „Triumphzugs des Protestantismus“.

Die Darstellung zeigt Friedrich Wilhelm I. als gütigen Landesherrn, der den untertänig einziehenden Salzburgern die hilfreiche Hand reicht.

Die Bildunterschrift lautet:
„Muß ich gleich Haus und Hof, Freund, Eltern, Kinder lassen, So will mich doch der Herr in seine Arme fassen, Er hält mich väterlich bei seiner rechten Hand, Und führt mich wohlvergnügt in Friedrich Wilhelms Land.“

Im Hintergrund wandernde Salzburger und Ansichten der Städte Salzburg und Königsberg.

Leopold Anton Eleutherius Freiherr von Firmian,

Fürsterzbischof von Salzburg 1727 -1744,

wurde am 30. September 1727 im Alter von 48 Jahren erst im vierten Wahlgang von der salzburgischen Kurie zum Erzbischof gewählt. Anlässlich einer Huldigung durch die Stände legte er seinen Grundsatz dar, „den Glanz der katholischen Religion zu erhalten und das Luthertum auszurotten.“

Das erste Viertel seiner Amtszeit ist von einer Maßnahmenkette gegen die Lutheraner geprägt:

21728 Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen und Befragung der Kinder durch Jesuiten. Dabei werden lutherische Traditionen aufgedeckt.

1729 Geldbußen, Gefängnis und Ausweisungen. Missachtung von Protesten des Corpus Evangelicorum des Regensburger Reichstags.

1730 Vermehrt Zusammenkünfte der Evangelischen; Versammlung in Schwarzach; Bittschriften an den Regensburger Reichstag. Ernennung des Tirolers Cristani von Rall zum Hofkanzler mit dem Auftrag der Verfolgung und Vertreibung der Lutheraner.

1731, 15. Juli Untersuchung von Beschwerden der Bergbauern.
28. Juli Zählungen/Befragungen ergeben 20.678 Lutherische.
30. Juli Versammlungsverbote im ganzen Land.
16. August Nach Salzburger Anforderung Einquartierung kaiserlichen Militärs in die Wohnstätten der Lutheraner.

1731, 31. Oktober von Firmian unterzeichnet das Emigrationspatent (am Reformationstag).
11. November Bekanntmachung des Emigrationspatents im ganzen Land (an Luthers Tauftag).
21. November Beginn der Austreibung aller Unangesessenen.

1732, 24. April Austreibung der Angesessenen.

Insgesamt verließen etwa 20.000 Protestanten ihre Salzburger Heimat

1744 stirbt Erzbischof von Firmian im Alter von 65 Jahren. Das katholisch wiederhergestellte Erzbistum hinterließ er als verarmtes und in großen Teilen entvölkertes Land. Dieses Ergebnis seiner Vertreibungspolitik war ihm bewusst, wenn er sagte,
„Ich will die Ketzer aus dem Land jagen, und sollten auch Dornen und
Disteln auf dem Acker wachsen.“

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Joseph Schaitberger

Porträtstich und Beschreibung von Leben und Wirken 1

Schon bald nach Luthers Thesenanschlag am 31.Oktober 1517 fanden sich im Erzstift Salzburg Anhänger der Lehre des Reformators. Salzburg war ein selbstständiges Erzbistum unter der Regierung eines Erzbischofs, der als Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unmittelbar dem Kaiser unterstand.

Luthers Lehre kam durch Priester in das Land, die in den Besitz solcher Bücher gekommen waren und in Predigten reformatorische Gedanken vertraten. Auch konnten die Bürger, Bauern und Bergknappen des Landes auf den Märkten oder bei hausierenden Buchverkäufern lutherische Schriften erwerben. Noch stärkere Wirkungen hatten Bilder und Einblattdrucke. Zudem kamen evangelische Lieder ins Land, die nach den Melodien bekannter Volkslieder in meist geheimen Andachten gesungen werden konnten.

Unter der Herrschaft verschiedener Erzbischöfe wurden evangelische „Umtriebe“ lange Zeit in unterschiedlicher Intensität beobachtet und auch verfolgt. Das Erzbistum Salzburg konnte sich erfolgreich den Schrecken des 30-jährigen Krieges entziehen.

Scharfe Maßnahmen ergriff erstmals Erzbischof von Kuenburg (1668-1687): Jeder, der sich weigerte, katholisch zu sein, müsse das Land verlassen. Im Winter 1685 wurden über 600 Evangelische des Defereggentals unter harten Begleitumständen ausgewiesen. 289 Kinder unter 15 Jahren wurden zurück gehalten und über das ganze Land verteilt, an katholische Eheleute, zur Adoption gegeben, selbst Geschwister durften nicht zusammen bleiben.

Wenig später kamen Nachrichten über eine evangelische Bewegung unter den wirtschaftlich wichtigen Knappen des Salzbergwerkes am Dürrnberg auf. Nach strengen Untersuchungen wurden als Führer und Prediger die Knappen Joseph Schaitberger, Matthias Kammel und Simon Lindtner 1686 zunächst auf der Festung Hohensalzberg eingekerkert und schließlich mittellos mit ihren Frauen außer Landes gewiesen, auch in diesen Fällen mussten die Kinder zurück gelassen werden.

Joseph Schaitberger fand eine neue Heimat in Nürnberg. Er hat in der Folgezeit die religiöse Haltung seiner Landsleute durch „Sendbriefe“ stark beeinflusst. Die Schriften Schaitbergers waren im ganzen Erzstift bald weit verbreitet, im Volksmund war von der Schaitbergerbibel die Rede. Im Laufe einiger Jahrzehnte hatte Joseph Schaitberger auf diese Weise entscheidenden Anteil daran, dass sich die bis dahin ihren Glauben im Geheimen praktizierenden evangelischen Salzburger schließlich frei und offen dazu bekannten.

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Mitgliedschaft im Salzburger Verein

Der Verein umfasst zur Zeit ungefähr 500 Mitglieder. Die meisten von Ihnen haben über mehrere Generationen Vorfahren gefunden, die Salzburger Namen tragen. Manche konnten ihre Vorfahrenlinien bis nach Salzburg hin erforschen und dort im Land der Väter noch über mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. Die zahlreichen Wege der Emigranten von Salzburg nach Ostpreußen sind weitgehend aufgezeichnet (Norbert Stein: Chronik der Marschzüge – Salzburger Emigranten, 700 S.). Es ist spannend, auf den Spuren früherer Generationen zu wandeln. Wer Mitglied des Vereins ist, kann bei seiner Forschung mit der Hilfe anderer Mitglieder und der Geschäftsstelle rechnen.

Alle Mitglieder erhalten kostenlos die Ausgaben unserer Vereinszeitschrift „Der Salzburger“, mit vielen Beiträgen zum Vereinsleben, zur Familienforschung, zu neuen Büchern und vielem mehr. Hier besteht auch die Möglichkeit Rundfragen für die eigene Familienforschung zu veröffentlichen. Desweiteren ist die Benutzung des Archivs und der Bibliothek für alle Mitglieder kostenfrei.
Der jährliche Regelbeitrag beträgt nur 40,00 Euro oder für Eheleute/Familien 50,00 Euro.

    FrauHerr                    Regelbeitrag 40 EuroEheleute- / Familienbeitrag 50 Euro

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    Nächste Termine

    Treffen LG Hannover Nordniedersachsen

    28.03.2026 | 14:00 Uhr - 16:00 Uhr Niedersächsischer Landesverein für Familienkunde e.V. (NLF), Rückertstraße 1, 30169 Hannover

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    Vortrag von Herrn Scheffler - Rebellen, Siedler, Steuerzahler - Lebenswege in Salzburg und Ostpreußen

    Der Vortrag beinhaltet aus der Familienforschung gewonnene Erkenntnisse zu Schicksalen der Vorfahren in Verbindung mit salzburgischer und ostpreußischer Regionalgeschichte.

    Treffen LG Bayern

    17.04.2026 - 18.04.2026 | Ganztägig Niedersächsischer Landesverein für Familienkunde e.V. (NLF), Rückertstraße 1, 30169 Hannover

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    Exkursion nach Regensburg mit den Mitgliedern des Salzburger Bildungswerk Plattform Geschichte von Schwarzach im Pongau

    Treffen LG Hamburg/Schleswig-Holstein/Nordniedersachsen

    09.05.2026 | 13:00 Uhr - 15:00 Uhr

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    LG Bln-BB - Frühjahrstreffen

    17.05.2026 | 10:45 Uhr - 14:45 Uhr Alt-Schmöckwitz 1, 12527 Berlin

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    Gottesdienst Kirche Alt-Schmöckwitz, Beisammensein im Gemeindesaal

    Jahrestreffen des Salzburger Vereins 2026

    11.06.2026 - 14.06.2026 | Ganztägig Salzburg

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    Vereinschronik

    In Bielefeld existieren drei Vereinigungen, die ihr Bestehen aus der Emigration der Salzburger Protestanten von 1731/32 und deren Ansiedlung in Ostpreußen herleiten. Dazu die historischen und aktuellen Zusammenhänge:

    Um ihrem evangelischen Glauben treu bleiben zu können, müssen in den Jahren 1731 bis 1735, auch schon früher, ca. 20.000 Salzburger ihre Heimat in den Bergen des damaligen geistlichen Fürstentums Salzburg verlassen. Der Landesherr, das ist hier der Fürsterzbischof von Salzburg, kann nach dem Augsburger Religionsfrieden (1555) seinen Landeskindern den Glauben vorschreiben. In Wechselwirkung mit Bekehrungsversuchen und zeitweiser Anpassung spitzt sich die Situation zu, und am 11. November 1731 wird das vom Erzbischof erlassene Emigrationspatent vom 31. Oktober 1731 veröffentlicht. Danach müssen die unangesessenen Evangelischen, die ohne Grundbesitz, binnen acht Tagen das Land verlassen, die Angesessenen sollen ihnen nach ein bis drei Monaten folgen.
    Auf dem Treck der Emigranten durch die deutschen Länder, erreicht sie die Nachricht, dass der preußische König Friedrich Wilhelm I. am 2. Februar 1732 ein Einwanderungspatent erlassen hat. Darin erklärt er sich bereit, die evangelischen Salzburger in Preußen aufzunehmen. Die meisten von ihnen, etwa 16.000, kommen deshalb nach Preußen und werden in Ostpreußen angesiedelt. Der Mittelpunkt des Siedlungsgebiets ist Gumbinnen.

    Hier wird im Januar 1740 durch Kabinettsorder Friedrich Wilhelms I. das Salzburger Hospital gegründet und bald können die ersten 40 alten und siechen Salzburger aufgenommen werden. Aus dieser eigenständige karitative Einrichtung entsteht die heute noch existierende Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen, die mehr als 200 Jahre lang bis 1945 alte und bedürftige Menschen Salzburger Herkunft betreut.

    Am 22. Februar 1911 findet beim Salzburgerfest in Gumbinnen die Gründung des Salzburger Verein mit Gottesdienst in der Salzburger Kirche (Markus 9, 50 b: Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander) statt.

    Am 31. Oktober 1966 wird in Bielefeld der Trägerverein für das in der Tradition der Salzburger Anstalt Gumbinnen betriebene Altenzentrum „Wohnstift Salzburg“, der Wohnstift Salzburg e.V., gegründet.

    Die drei rechtlich voneinander unabhängigen Salzburger Vereinigungen sind in ihrer Tätigkeit auf das engste miteinander verbunden. Durch ihre wirkungsvolle Arbeit wird die Brücke geschlagen von dem historischen Ereignis der Salzburger Emigration in 1731/32 zur Gegenwart.

    Die Stiftung ist Trägerin des ideellen Gedankenguts, sie pflegt und hält durch ihre besondere Funktion die Verbindung nach Gumbinnen und zu seinen heutigen Bewohnern. Sie hat den Wiederaufbau der Salzburger Kirche und die Errichtung des Diakoniezentrums „Haus Salzburg“ in Gumbinnen, das jetzt Gussew heißt, ermöglicht.

    Der Salzburger Verein ist als Mitgliederverein bemüht, die Nachkommen der salzburgischen Emigranten zu vereinigen, und fördert die Familienforschung der Salzburger Emigranten und deren Nachkommen. Durch die Patenschaft des Landes Salzburg wird die Verbindung zum Land der Vorfahren gepflegt und gefestigt.

    Der Wohnstift Salzburg e.V. erfüllt mit dem Altenzentrum „Wohnstift Salzburg“ in der Memeler Straße 35 in Bielefeld die christlich-diakonische Aufgabe in der Tradition der Salzburger Emigranten und der Salzburger Anstalt Gumbinnen.

    Im Wohnstift befinden sich heute die Geschäftsstellen der wirtschaftlich getrennten Salzburger Vereinigungen. Die Zusammenarbeit der Salzburger Vereinigungen schafft die Grundlage für ein weiteres erfolgreiches Wirken der Nachkommen Salzburgischer Emigranten auch im dritten Jahrtausend.