Das „Wohnstift Salzburg“ wurde bisher in der Rechtsform eines gemeinnützigen eingetragenen Vereins betrieben. Schon seit längerem zeichnete sich ab, dass es aus unterschiedlichen Gründen immer schwieriger wurde, Mitglieder für den Verein zu gewinnen. Von daher wurden bereits vor mehr als 1 Jahr Überlegungen zu einer mitgliedsfreien, gemeinnützigen Rechtsform angestellt und letztendlich die Rechtsform einer gGmbH gewählt.
Margrit Kempgen
Die Eintragung erfolgte am 20.10.2025. Auszug aus dem Handelsregistereintrag:
Tief verbindet uns seit der Wiedergründung unseres Vereins im Jahre 1954 in Bielefeld eine sehr enge Patenschaft und Zusammenarbeit mit der Salzburger Landesregierung.
Nach 1954 entstand die Idee und die Entwicklung eines Nachfolgers des Salzburger Hospitals in Gumbinnen. Als unsere Vorfahren, die Salzburger Emigranten, Ihre Heimat das Salzburger Erzbistum wegen ihres evangelisch-lutherischen Glaubens verlassen mussten und nun in Ostpreußen ansiedelten, gründeten Sie mit Hilfe der königlichen Unterstützung das Salzburger Hospital in Gumbinnen, wo alleinstehenden und pflegebedürftigen Salzburger versorgt wurden.
Die Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen geht auf die Protestantenvertreibung 1731/32 zurück, bei der sich 16 000 Salzburger in der Provinz Preußen nieder ließen.
Per Kabinettsorder Friedrich Wilhelm I. wurde im Jahre 1740 das Salzburger Hospital in Gumbinnen gegründet und diente zur Betreuung von alter und bedürftiger Menschen mit Salzburger Herkunft. Später existerte es als eigenständige karitative Einrichtung bis 1945 und danach bis heute als Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen.
Franckesche Stiftung in Halle
Während des Durchmarsches der Marschzüge der Salzburger Emigranten in Richtung Ostpreußen kamen sie auch durch die Stadt Halle an der Saale. Der Gedanke der Franckischen Stiftungen und die Nähe des preußische König Friedrich Wilhelm I zum Pietismus wurde durch kostenlose Bibelausteilung und Entsendung von Geistlichen in die neuen Ansiedlungsgebiet im Sinne von August Hermann Francke (*1663 – +1727) unterstützt
Der Salzbund – Verein zur Pflege evangelischen Lebens im Land Salzburg
Der Name „Salzbund“ geht auf das 1731 zurück, als sich Pongauer und Pinzgauer Geheimprotestanten in Schwarzach trafen und dort beschlossen, sich offen zum evangelischen Glauben zu bekennen.
Unser Verein Salzbund wurde 1902 gegründet. In der Präambel zu den Statuten heißt es: Die Treue zu ihrem evangelischen Glauben, die Kraft und der Mut unserer Salzburger Exulanten vor 300 Jahren dürfen nicht vergessen werden und sollten ein Vorbild sein für uns und kommende Generationen.
Ziele: Der Verein bemüht sich zum evangelischen Gemeindeleben beizutragen, dies zu stärken und das Wissen um die Geschichte des Salzburger Protestantismus zu verbreiten. Vorträge, Filme, Diskussionen etc. über kirchengeschichtliche Themen mit Schwerpunkt Salzburg und andere aktuelle Fragen christlichen Lebens tragen dazu bei.
Die Kreisgemeinschaft Gumbinnen e.V. ist ein 1954 gegründeter Verein mit Sitz in Bielefeld, der ehemalige Bewohner des Kreises Gumbinnen und ihre Nachkommen verbindet und die ostpreußische Heimatgeschichte bewahrt. Er fördert kulturhistorische Arbeit und Heimatpflege, ist Mitglied der Landsmannschaft Ostpreußen e.V. und gibt den Gumbinner Heimatbrief heraus. Zudem betreibt der Verein ein Archiv zur Geschichte des Kreises Gumbinnen und dient als Treffpunkt für historisch Interessierte.
Der Weltbund wurde im Jahre 1952 mit dem Ziel gegründet, den weltweit bestehenden Österreicher-Vereinen und den im Ausland lebenden Österreichern Hilfestellung bei der Verbindung mit der Heimat zu bieten und ihnen darüber hinaus vielfältige Unterstützung zukommen zu lassen. (Quelle: Weltbund Österreich)
König Georg II. von England (reg. 1727–1760) spielte eine wichtige Rolle bei der Aufnahme der Salzburger Emigranten, protestantischer Flüchtlinge, die ab 1731 aus dem katholischen Erzstift Salzburg vertrieben wurden, indem er deren Ansiedlung in der britischen Kolonie Georgia (USA) unterstützte und ihnen eine neue Heimat bot, um religiöser Verfolgung zu entkommen, was zur Gründung von Orten wie Ebenezer führte. (Quelle: KI zu Georg II. von England Salzburger Emigranten) Die Georgia Salzburger Society mit Hauptsitz im historischen Ebenezer, Georgia, feiert die Geschichte und das Erbe der Salzburger aus Georgia, die ausgewandert sind und sich in Old Ebenezer und New Ebenezer niedergelassen haben. Sie wurde 1925 als eigenständig tätige genealogische und archäologische Organisation gegründet.
Als Partner unseres Vereins unterstützt uns die Firma SD Software-Design GmbH c/o Abt. easyVerein in der Basler Landstraße 8 in 79111 Freiburg im Breisgau unter Anderen bei unserer Mitgliederverwaltung.
Sehr geehrte Salzbund-Mitglieder! Der Salzbund lädt zur Generalversammlung am Dienstag den 03.02.26 um 17:00 Uhr im Evangelischen Zentrum in die Christuskirche Salzburg (Saal 2 im UG hinterer Raum) ein. Tagesordnung: 1.) Eröffnung, Begrüßung,… Einladung zur Salzbund-Generalversammlung weiterlesen
Am 21. Oktober dieses Jahres verstarb Dr. Peter Mittermayr, ein langjähriger Freund und Begleiter des Salzburger Vereins. Der Salzburger Verein hat kondoliert. Ein ausführlicher Nachruf findet sich im nächsten Salzburger. Margrit Kempgen
Das „Wohnstift Salzburg“ wurde bisher in der Rechtsform eines gemeinnützigen eingetragenen Vereins betrieben. Schon seit längerem zeichnete sich ab, dass es aus unterschiedlichen Gründen immer schwieriger wurde, Mitglieder für den Verein zu gewinnen.… Rechtsformwechsel „Wohnstift Salzburg e.V.“ weiterlesen
Was haben die Salzburger mit dem Zillertal in Tirol zu tun? Was sind eigentlich Inklinanten? Wieso Schlesien? Und was macht das Hirschberger Tal so besonders?
In einem Bildvortrag geht die Referentin Margrit Kempgen, Präsidentin des Salzburger Vereins, auf diese Fragen und interessante weitere Aspekte eines wenig bekannten aber spannenden und faszinierenden Kapitels der Geschichte der „Salzburger Exulanten“ ein.
Wann?
Samstag, 08.11. 2025
Wo?
Im Konferenzsaal des Wohnstift Salzburg, Memeler Str. 35, 33605 Bielefeld-Stieghorst
Beginn?
16.30 Uhr
Dauer?
Ca. 45 Minuten
Eintritt?
Frei
Der Vortrag ist öffentlich. Interessierte sind herzlich willkommen.
Frau Vockerodt und Frau Frommer hatten viel vorbereitet und auch unsere Hamburger Gäste hatten einiges mitgebracht. Ich war überrascht von der Vielfalt der Gäste und freute mich riesig, das alles so gut über die Bühne ging. Herzlichen Dank an Herr Kleiber, der extra den weiten Weg von Bielefeld zu uns machte, um mir dann die Ehrenurkunde zu überreichen. Wir durften auch wieder in den Räumen des Niedersächsischen Landesverein für Familienkunde e. V. tagen – ein großes Lob ebenfalls dahin.
Der Vortrag von H. Scheffler hatte das Thema: Gute (?) alte Zeiten – Erkenntnisse aus der Familienforschung zu Lebensumständen unserer ostpreußischen Vorfahren im Alltag wie in Krisenzeiten! Er berichtete also über das Alltagsleben in der Dorfgemeinschaft, auf dem Hof und in der Familie, in Kirche und Schule sowie bei der Arbeit. Über Sitten und Bräuche im früheren Ostpreußen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Weiter wurde auf die Auswirkungen historischer Ereignisse mit Seuchen, Katastrophen und Kriegen eingegangen, zuletzt mit Erlebnisschilderungen von Flucht und Vertreibung wie Wiederanfang in Norddeutschland.
Am 31. August 2024 besuchten wir eine kurios anmutende Aufführung in Sulzbürg, unweit unseres oberpfälzischen Wohnortes: das „Frankenburger Würfelspiels“. Der Ort Sulzbürg (ca. 500 Einwohner) mit überwiegend evangelischem Bevölkerungsanteil, liegt in einem Landstrich 40 km süd-östlich von Nürnberg, der in im 17. Jh. insgesamt über ca. 100000 Protestanten kleineren Gruppen aus Oberösterreich aufgenommen hatte. Das historische Schauspiel aus der Zeit des 30-jährigen Krieges sollte laut Ankündigung den Beginn von Vertreibung und Verfolgung evangelischer Christen aus dem „Landl ob der Enns“ zeigen.
Es war ein einmaliges Ereignis, zu dem Sulzbürg einlud. Über 100 Laienschauspieler aus Frankenburg wollten ihr Würfelspiel in voller Länge auf dem Schloßberg von Sulzbürg zum Besten geben. So wurde in 1, 5 Stunden eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1625 erzählt, als das protestantische „Landl ob der Enns“ von den bayerischen Besatzern „katholisch“ gemacht werden sollte. Beispielhaft für das unnachgiebige Vorgehen der katholischen Bayern stand ein Blutgericht, das am 15. Mai 1625 in der Nähe von Frankenburg stattgefunden hat. Der bayerische Statthalter Graf Herperstorff ließ hierzu etwa 5000 protestantische Bauern aus dem Umland zum Haushamerfeld kommen. Als Abschreckung gegen jeglichen Widerstand mussten 36 aufständische Protestanten gegeneinander um ihr Leben würfeln. Die Verlierer wurden kurzerhand gehängt. Hernach begann die Verfolgung und Vertreibung evangelischer Christen aus dem „Landl ob der Enns“.
Das „Frankenburger Würfelspiel“ erinnert an dieses grausame Ereignis. Seit 1925 wird dieses Spiel alle zwei Jahre in der Marktgemeinde Frankenburg am Hausruck, Oberösterreich, dargeboten. Dann stehen bis zu zehn Aufführungen auf dem Programm, die jeweils von mehreren tausend Zuschauern besucht werden. Spielort ist dabei das eigene Würfelspielgelände, das mit 2000 Sitzplätzen zu den größten Freiluftbühnen Europas zählt. Die zwei Vorstellungen unter freiem Himmel bzw. unter einer stattlichen Linde zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche auf dem Schlossberg zu Sulzbürg waren restlos ausverkauft (ca. 500 Besucher je Vorstellung). Die Laien-Schauspieler aus OÖ spielten dieBegebenheit sehr glaubhaft und mit sehr großem Engagement und Aufwand. Die Zuschauer – nach den Nummernschildern des Parkplatzes zu urteilen aus ganz Bayern/Süddeutschland – waren ergriffen und begeistert und zahlten den Schauspielern den besten Lohn in der Form von anhaltendem Applaus. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mühlhausen/Sulzbürg, Dr. Martin Hundsdorfer, führte mit treffenden Worten in die Aufführung ein und sprach am Ende freundschaftliche Dankesworte. In anschließenden Gesprächen mit örtlichen Aktivisten und mit dem Obmann der Theatergruppe „Das Würfelspiel“ erfuhren wir, dass sich seit 2019 ein Freundeskreis der heute in Sulzbürg Lebenden mit OÖ-Wurzeln und der Gemeinde Frankenburg in OÖ gebildet hat. Die gefühlte Identität mit den Exulanten aus dem „Landl ob der Enns“ von damals ist nach wie vor groß; voller Stolz bezeichnen sich die Sulzbürger (kein Zusammenhang zu „Salzburg“) noch heute als „Landler“. Ihr Heimatmuseum heißt „Landlmuseum“. Der Obmann des Frankenburger Würfelspiel Michael Neudorfer lädt den Salzburger Verein für einen Besuch einer der mehreren Vorstellungen im Jubiläums-Sommer 2025 (1925 war die erste Theater-Aufführung) nach Frankenburg ein; beiliegende Ankündigung sollte in den „Salzburger Nachrichten“ veröffentlicht werden. Die LG Bayern plant einen solchen Theaterbesuch nächstes Jahr. Jedes Mitglied kann sich an der gemeinsamen Fahrt beteiligen. Lothar und Christiane Kroll
Es ist ungewiss, wie die Berlin-Brandenburger Gruppe der ‚Salzburger‘ unseren Besuch aus Hamburg wahrnimmt – eigentlich habe ich mich selbst eingeladen, da mich die Region Eberswalde und Bad Freienwalde interessiert. Ich mache auch immer Werbung für Besuche der Landesgruppen untereinander. Die Berliner Gruppe weist ähnlich meiner LG Nord noch die größte MG-Zahl auf. Ich habe Herrn Burchard immer zu Aktivitäten und zu schriftlichen Beiträgen ermuntert – er ist ein würdiger, engagierter Nachfolger von Herrn Berger, der wegen chronischer Erkrankung seine Funktion als Obmann rechtzeitig an Herrn Burchard als seinen Nachfolger abgegeben hat.
„MAN MUSS ES SO EINRICHTEN, DASS EINEM DAS ZIEL ENTGEGENKOMMT“ Th. Fontane
Ich habe meine Teilnahme telefonisch zugesagt, mir eine Fahrkarte besorgt und ein Hotel in Berlin gebucht. In Lichterfelde Ost hat Konrad Urban das Hotel „Miles“ gefunden, und ich habe das letzte freie Einzelzimmer erwischt. So kann ich die Freunde Konrad & Helmut im nahen Lankwitz treffen. Bad Freienwalde kann ich am 24. 08. auch sehr bequem mit Regional-Zügen ab Lichterfelde Ost erreichen.
Die Salzburger treffen sich um 11:00 Uhr in Bad Freienwalde in der Stadtpfarrkirche St. Nikolai. Ich konnte aus meiner Gruppe Frau Bergholter (Lüneburg/Berlin-Mitte) zur Teilnahme motivieren, so dass wir zu zweit als Gäste der Berliner Gruppe teilnehmen können.- Schon auf dem Bahnhof Bad Freienwalde erkennen wir viele der uns vertrauten Berliner. – Die Bahnhofstrasse aufwärts in der sehr freundlich anmutenden Stadt gelangt man am aufstrebenden Markt direkt auf die hoch oben ruhende mächtige Nikolai-Kirche in rotem Backstein, die einladend ihre Pforten für uns geöffnet hat. Ein junger Mann dieser Kirche begrüßt uns und erklärt uns später die Baugeschichte der Kirche. Für uns ist immer interessant das 18. Jh., als die Salzburger zwei Emigrantenzüge Freienwalde als Tagesziel erreichten, hier betreut wurden, um am nächsten Tag über die ‚alte‘ Oder mit Fähren überzusetzen.
Wir sind beeindruckt vom Renaissance Hochaltar, zwei barocken Epitaphen, einem sehr alten Taufbecken aus den 13. Jh., einer imposanten großen Orgelempore und einer gut restaurierten (SAUER/Walter) Orgel – leider ohne eine heutige Orgel-Musik. – Anstelle einer Predigt trägt ein MG der Berliner Salzburger Gedanken über die Bergpredigt vor: „Selig sind die Friedfertigen“ – welcher Text kann besser passen für diese Exkursion der Salzburger, auf den Spuren ihrer Emigranten-Vorfahren im Oder-Ländischen! Vor dieser passenden Andacht entzündet eine Dame eine Kerze für eine jüngst verstorbene Frau aus der Berliner Gruppe; dieses symbolische Licht leuchtet dann auf dem Taufbecken: mich erinnert es in stillem Gedenken an unsere Verstorbenen Astrid Neßlinger aus Göttingen und Hans-Martin Arnold aus Nürnberg. Und mit dem Lied „Großer Gott wir loben dich“ findet unsere Salzburger Gemeinschaft in St. Nikolai einen harmonischen Abschluss. Die gegenwärtige Situation der Evangelischen Kirchen im Land Brandenburg ist: wie überall! Bei prächtigem Sommerwetter führt uns eine kleine Stadt-Tour in ein neues Indisches Restaurant zum Mittagessen. Dort begrüßt uns sodann eine Stadtführerin, die uns die wichtigen Merkmale der Stadt Freienwalde, den Kurbetrieb der Moorbäder und den Bestand an Einwohnern erklärt. Leider können wir nur einen sehr kleinen Anteil der touristischen Sehenswürdigkeiten der Stadt erahnen: eine „Kneipp-Strecke“ und eine Wandertour „Atem Schöpfen – Waldbaden“ lassen sich in unserem Rundgang leider nicht unterbringen. Der Tourismus-Flyer zeigt an: Schiffmühle, der Ortsteil Hohenwutzen liegt malerisch zwischen der Alten Oder und der breiten Strom-Oder. Die Hohenwutzener Brücke führt heute über den Fluss nach Polen. Straßendorf Altglietzen, nahe der Grenze u Polen, mit Dorfkirche samt Pfarrhaus und die örtliche Ziegelei GOLEM. Das Dorf Bralitz in einer Schleife der Alten Oder, durchzogen von mehreren kleinen Seen mit Sandstrand und Badeplätzen. Neuenhagen im Zentrum der gleichnamigen Insel – von Oder und Alter Oder umschlosen: Schloss Neuenhagen lädt Touristen zu einem Besuch. Und Herrenhaus „Altranft“. – Wir sehen mit Vergnügen in der im Krieg nicht zerstörten Altstadt gut erhaltene spät-barocke und klassizistische Häuser, zwischen Markt, Rathaus, Stadtkirche St. Nikolai und der Königstraße, mit der mehr als 320 Jahre alten heutigen Konzerthalle – früher Kirche St. Georg. – Auch für das Schloss und Kurfürstenquelle, oder für das Wandeln auf den Spuren von Theodor Fontane, reicht unsere Tageszeit heute nicht.
Umso bedeutender: wir besuchen innerhalb unserer Stadtführung das Denkmal der früheren Synagoge: es soll uns mahnend an die praktische historische Hilfe durch jüdische und katholische Bürger – für die Salzburger Emigranten 1732 erinnern. –
Ein Gemeinschafts-Foto vor dem Rathaus zusammen mit drei polnischen Gästen aus „Cüstrinchen“ rundet die Bilder aus dieser schönen Stadt Bad Freienwalde ab.
Ein Espresso und ein Vanille-Eis im Café „Fontana“ erfrischen uns für die Eisenbahnfahrt zurück, über Eberswalde nach Berlin-Lichterfelde. – Sanft ermattet, mit guten Impressionen, erreiche ich mein Hotel. – Unsere kleine Abordnung aus Hamburg ist dankbar für die gute Gemeinschaft mit der Berlin-Brandenburger Landesgruppe der Salzburger.
Die Erinnerung an die Salzburger Protestanten wird in diesen drei benachbarten Gemeinden im Salzachpongau erfreulich lebendig gehalten – man muss nur an den richtigen Stellen danach suchen.
Peter Vogelreuter, Leiter der Landesgruppe Bayern, hat seine Kontakte vor Ort genutzt, um ein vielfältiges Tagesprogramm für den 30. Juni 2024 zusammenzustellen.
Der Ausflug begann mit einem Treffen mit Vorort-Kontakt Max Stürmer, der bestens in der dortigen Bildungsarbeit und Traditionspflege vernetzt ist. Wir trafen uns am Denkmal für die Salzburger Exulanten, das auf dem Schwarzacher Marktplatz steht, eines der wenigen Denkmale für die Vertreibung im öffentlichen Raum im Bundesland Salzburg. Gleich danach stand eine kurze Visite im Gemeindeamt Schwarzach an, wo die Tischplatte des berühmten „Salzleckertisches“ ausgestellt ist. Die Tischplatte wurde im 19. Jahrhundert nachträglich mit einem stimmungsvollen Gemälde des Salzschwurs versehen. Dieser hat sich wohl am 5. August 1731 zugetragen, als etwa 150 Pongauer und Pinzgauer Protestanten schworen, sich niemals von ihrem Glauben abbringen zu lassen – trotz zunehmender Drangsalierungen durch Erzbischof Firmian, der zu dieser Zeit bereits begonnen hatte, erste Truppen in den Pongau schicken, um die Protestanten im Zaum zu halten. Dazu wurde ein Salzfass in die Runde gereicht, in das jeder zum Schwur seine Finger der rechten Hand steckte und dann das Salz ableckte. Interessant und erfreulich ist, dass in der Region auch heute noch mit Stolz an die Standhaftigkeit der „Salzlecker“ erinnert wird. So tragen sowohl die Trachtenmusikkapelle Schwarzach als auch der Schützenverein der Gemeinde diese Bezeichnung in ihrem Namen.
Nächster Stopp des Ausflugs war das Pongauer Heimatmuseum im Schloss Goldegg, nur wenige Kilometer von Schwarzach entfernt. Hier gibt es mehrere Stuben, die an die Geschichte der Protestanten sowie das Leben der späteren Generationen in Ostpreußen erinnern. So gibt es unter anderem interessante Bilderserien von der 200-Jahrfeier der Einwanderung der Salzburger in Ostpreußen, die im Juni 1932 in Gumbinnen gefeiert wurde. Bei dieser Führung war Cyriak Schwaighofer dabei, mit seinen 74 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter im Museum, der auch auf eine erfolgreiche politische Karriere zurückblicken kann, unter anderem 19 Jahre Abgeordneter für die Grünen im Salzburger Landtag und davon fast 13 Jahre Landessprecher der Salzburger Grünen.
Nach kurzer Fahrt nach St. Veit, oberhalb von Schwarzach auf einem regelrechten Sonnenplateau gelegen,gab e s zunächst ein Mittagessen und dann folgte der Besuch des Seelackenmuseums. Es handelt sich dabei um ein Bauernhaus aus Schwarzach, das originalgetreu als Museum an diesen neuen Platz gesetzt wurde. Neben vielen Informationen zum bäuerlichen Leben und zum Aufenthalt des Schriftstellers Thomas Bernhards in der örtlichen Lungenheilanstalt gibt es auch hier eine große Stube mit einer Ausstellung und vielen Dokumenten zu den Salzburger Protestanten. Besonders eindrucksvoll waren Reproduktionen der von den erzbischöflichen Spitzeln erstellten Listen von Orten, an denen die Protestanten aus St. Veit in ihren Häusern ihre Bibeln und Schriften versteckten („Beschreibung derjenigen haimblischen Örthern, darin die Lutherischen St. Veitner ihre Kezerischen Büecher verborgen gehalten“). Fazit des Besuches: So viele Erinnerungen an die Salzburger Protestanten so nah beieinander sind schon etwas sehr Besonderes. Ebenso der herzliche und freundschaftliche Empfang der Salzburger Nachkommen. Eine besonders gute Nachricht noch zum Schluss: Bei der in den nächsten Jahren anstehenden Umgestaltung des Museums im Goldegger Schloss soll die Geschichte der Salzburger Protestanten noch mehr ins Zentrum rücken. Hier ergibt sich hoffentlich die Möglichkeit für den Salzburger Verein, dieses Vorhaben ideell zu fördern.
Unsere diesjährige Freundschaftsreise in das Land unserer Vorfahren sollte wieder einmal „a Reise zü vüü liabn Leit, spannendn Gschichtn und interessantn Ortn“ sein, möglichst mit viel Verbindungen zu unsere eigenen G’schichte!
Erster Tag: im Bergbau- und Gotik Museum Leogang führten uns Kustos Andreas Herzog und Senior-Kustos Prof. Hermann Mayrhofer durch die im Aufbau befindliche Sonderausstellung „Wunder von Herrengrund“, eine montanhistorische Schau besonderer Gefäße und Handsteine aus dem 400 Jahre alten Kupferbergbau im slowakischen Erzgebirge.
Es schloss sich am Ende der Führung eine intensive Gesprächsrunde mit beiden Kustoden an. Dabei ging es u. a. auch um die regionale Rezeption der geschichtlichen Aufarbeitung der Vertreibung der Salzburger Protestanten nach der epochalen Ausstellung 1981 im Schloss Goldegg (250. Gedenkjahr). Auch wie es zukünftig damit weitergehen könnte, war Gegenstand des Austausches.
Der nächste Tag begann mit einem intensiven Gedankenaustausch mit Cyriak Schwaighofer (Leitung Schloss Goldegg, Gemeinde Goldegg) und Angelika Gautsch (Museum Vogt Turm, Zell am See) über die Bedeutung der Räume zur Protestantenvertreibung innerhalb der bestehenden Ausstellung im Schlossgebäude.
Mag. Angelika Gautsch – eine erfahrene Museumsgestalterin – ist für die Neukonzeption des Museums im Schloss Goldegg beauftragt. Sie erläuterte in groben Zügen die Vorstellungen einer modernen Museumspädagogik in Bezug auf die zukünftige Präsentation des Schloss-Museums im Verbund Salzburger Heimatmuseen. Unser Besuch bekundete das lebhafte Interesse an diesem Projekt; die Zusammenarbeit soll weitergeführt und vertieft werden.
Anschließend fuhren wir zur Burg Hohenwerfen, die sehr markant das Salzachtal bewacht und in der Reformationszeit bei der Unterdrückung der vom katholischen Glaubenskodex Abgefallenen eine schaurige Rolle spielte. Das schmucke Burgfräulein erläuterte uns im Rundgang die fast 1000jährige Geschichte dieser Burg, schilderte anschaulich die damalige „Verhörpraxis“ im anschaulichem Folterraum und fragte uns beim Blick in das 13 m tiefe, lichtlose Verließ, was an uns wohl noch dran gewesen wäre nach längerer Haft in diesem Loch. (Ein Foto kann diesen Eindruck nicht wiedergeben). In der Region Werfen waren vor 300 Jahren besonders viele Menschen zum Luthertum übergewechselt; viele von ihnen waren dort eingekerkert.
Der Power-Point unterstützte Vortrag von Helmut Hardt-Stremayr, (Mitglied im Salzburger Verein aus St. Veit), mit dem Titel „Von einer Staatsreligion zum persönlichen Glauben“, war ein abendfüllender, ideengeschichtlicher Genuss zum tieferen Verständnis der Motivation der zur Emigrationgezwungenen, bekennenden Lutheraner unter katholisch kontrollierter Obrigkeit. Der Referent erzeugte durch seinen authentischen und an Fakten orientierten Vortrag eine lebendige Diskussion, die nur durch die vorrückende Nacht gestoppt werden konnte. Das mentalitätsgeschichtliche Einfühlungsvermögen von Helmut Hardt-Stremayr ließ den oft gebrauchten, aber selten mit Wissen und Leben gefüllten Ausruf „ums Glaubns willn “ als Grund für dramatisch erscheinende Lebensentscheidungen inhaltlich und im geschichtlichen Kontext nachvollziehbar erscheinen. Der Vortragende war so glaubwürdig, dass er für sich durchaus reklamieren könnte – wenn seine eigene Bescheidenheit ihm nicht selber im Wege stünde – ein echter Zeitzeuge (-genosse) der Salzburger Exulanten (gewesen) zu sein!
Den Abschluss unserer diesjährigen Salzburger-Land-Exkursion bildete am Samstag (18.05.2024) eine Schaitberger – Reminiszenz in Bad Dürrnberg, oberhalb von Hallein. Der langgediente OrtschronistJ. Schatteiner führte uns durch die Streusiedlung von Bad Dürrnberg, führte uns durch die tektonisch bedrohte Wallfahrtskirche und konnte uns als ehemaliger Bergknappe des nahe gelegenen, mittlerweile stillgelegten Salzbergwerkes Dürrnberg die Arbeits- und Lebenswelt der evangelischen Dürrnberger Knappen im 17. Jh. Einfühlsam verständlich machen. Anhand einer ca. 250 Jahre alten Knappenfahne erläuterte er uns die einzelnen darauf zu sehenden Motive. Das Wohnhaus von J. Schaiberger ist längst einem Neubau gewichen.
Der heutige Kurort liegt sehr ruhig und friedlich an der östlichen Bergflanke zu Berchtesgaden. Nur unsere Vorstellungskraft vermochte diesen heutigen Eindruck mit einer geschichtlichen Szenerie von zwischenmenschlicher Gewalt und des Umbruchs zu kontrastieren. Herr Schatteiner brachte uns auch zum oberhalb vom Ort im Wald gelegenen Predigtstuhl, wo sich J. Schaitberger mit all seinen Glaubensbrüdern versteckt zu Gottesdiensten traf. Der unverrückte Stein erinnert mit einer Inschrift an diese Begebenheit. Bei einem zünftigen Mittagsessen auf der Panorama-Terrasse der Gaststätte „Bergmannstreu“ wurden unsere Eindrücke dieser Führung mit weiterem Stoff vertieft.
Erlebnis- und erkenntnisreiche 3 Tage im Salzburger Land vergingen im Nu. Unsere persönlichen Kontakte dorthin wurden wechselseitig gestärkt und ausgebaut; die gemachten landeskulturellen und geschichtlichen Eindrücke verstärken unsere Liebe zur Heimat unserer Vorfahren.
Peter Vogelreuter & Lothar Kroll
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