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Salzburg und Königsberg

Salzburg und Königsberg waren (neben Berlin und Potsdam) die Hauptorte des Geschehens bei Vertreibung und Aufnahme der Salzburger Protestanten.

Salzburg tritt seit dem 17. und 18. Jahrhundert als prächtige Barockstadt der Fürsterzbischöfe auf. Sie verdankt ihren Reichtum der Goldgewinnung in den Hohen Tauern und besonders den Erträgnissen des Salzbergbaus am Dürrnberg. Neben dem Dom beherrscht die Festung Hohensalzburg die Szene. Hier wurden im Vorlauf der Ausweisung Bekenner der lutherischen Lehre eingekerkert und gefoltert, um ihren evangelischen Glauben zu brechen und zur „alten Lehr`“, dem Katholizismus, zurückzukehren.

Königsberg war 1701 die Krönungsstadt von Friedrich I., dem Vater des „Salzburgerkönigs“ Friedrich Wilhelm I. Die Stadt war das Zentrum von (See-)Handel, Gewerbe und Wissenschaft des späteren Ostpreußen. Für die Salzburger Emigranten war Königsberg Ansiedlungs-, mehr noch jedoch letzter Durchzugsort auf dem Weg in die östlicher liegenden Gebiete.

Salzburg und Königsberg

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Die Salzburger Emigration in Bildern von Angelika Marsch – Kupferstich Weitermarsch Salzburger Emigranten

Der Kupferstich stellt einen Marschzug Salzburger Emigranten nach dem Aufenthalt in einer gastgebenden Stadt dar. Mit den berittenen Kommissaren an der Spitze ziehen Männer, Frauen und Kinder weiter nach Preußen. Im Vordergrund sind zu Fuß gehende Emigrantenfamilien zu sehen. Im Hintergrund folgen Emigranten mit Pferd und Wagen. Honoratioren, Geistliche und
Schüler bilden ein Abschiedsspalier.

Auffällig ist, dass die Salzburger in der zeitgenössischen Graphik oft als heitere, frohgemute Wanderer dargestellt werden.

Die rechtsseitigen Medaillons tragen die Inschriften:

„Wir müßen zu dem Land hinaus,
von Eltern, Kindern, Hof und Hauß“

„Vertriebne aus dem Vatterland
wird fremde Hüllfe zugesandt“

Angelika Marsch - Die Salzburger Emigration in Bildern mit Beiträgen von Gerhard Florey und Hans Wagner und einem Verzeichnis der zeitgenössischen Kupferstiche - 85-87 Gedenkblatt zur Emigration der Salzburger Protestanten. Kupferstich mit Begleittext und originalgroßem, gefalteteten Ausschnitt des Mittelfeldes, von Johann Jacob Kleinschmidt nach Pauslus Decker [Gb 2]

Exulantenlied

I bin ein armer Exulant, a so tu i mi schreiba
Ma thut mi aus dem Vaterland um Gottes Wort vertreiba.

Das weiß i wohl, Her Jesu Christ, es iß dir a so ganga
Jetzt will i dein Nachfolger sein, Herr! Machs nach deina Verlanga.

Ei Pilgrim bin i halt nunmehr, muß rasa fremde Strosa,
Das bitt i di, mein Gott und Herr, du wirst mi nit verlosa.

Den Glauben hab i frei bekennt, des darf i mi nit schäma,
wenn man mi gleich ein Ketzer nennt, und thur mirs Leben nehma.

Kette un Banda wor mir men Ehr um Jesu willa z´dulta,
un dieses macht die Glaubenslehr´ und nit mei böß verschulda.

Muß i glei in das Elend fort, will i mi do nit wehra,
so hoff i do Gott wird mir dort och gute Fründ beschera.

Herr, wie du willst, so gib mir drein, bei dir will i verbleiba,
I will mi gern dem Wille dein gedultig unterschreiba.

Mueß i glei fort, in Gottes Nam´! Un wird mir alles genomma,
so waß i wohl, die Himmelkron, wer i onmal bekomma.

So muß i heut von meinem Haus . die Kinderl mueß i losa,
mein Gott, es treibt mir Zährerl aus, zu wandern fremde Strosa.

Mein Gott, führ mi in eine Stadt, wo i dein Wort kann hoba,
darin will i di früh un spat in meinem Herzel loba.

Soll i in diesem Jammerthal noch länger in Armuth leba,
so hoff i do, Gott wird mir dort ein beßre Wohnung geba.

Joseph Schaitberger

„Der Emigranten Auszug aus dem Vatterland“

Kein anderes religiöses Ereignis hat im 18. Jahrhundert in Europa ein so großes Aufsehen erregt wie die Vertreibung der Salzburger Emigranten unter Erzbischof Firmian. Als in der Zeit von 1731 bis Ende des Jahres 1732 ein Flüchtlingsstrom durch die deutschen Länder zog, gab es in Süd- und Mitteldeutschland kaum eine Gegend, in der die Bevölkerung nicht mit dem Schicksal dieser Menschen konfrontiert wurde.
Hier entstand vor allem in den Verlagsorten Augsburg, Nürnberg, Leipzig und Halle eine umfangreiche Emigrationsgraphik.

Dieser künstlerisch hochwertig ausgeführte Kupferstich hat „Der Emigranten Auszug aus dem Vatterland“ zum Thema. Die Bildmitte wird beherrscht von der Darstellung eines unendlich scheinenden Emigrantenzuges, der sich aus den Salzburger Gebirgen in nördlicher Richtung ergießt.

Aus der Vielzahl der umrahmenden biblisch-religiösen Illustrationen zur „alten Lehre“ seien die kontrastierenden Darstellungen in den Ecken des Blattes hervorgehoben, die direkten Bezug auf die Emigranten nehmen:

oben links: „Die Emigranten erbauen sich zu Haus untereinander aus dem Wort Gottes“

oben rechts: „Den Emigranten werden ihre Bücher verbrent und ihre Lehrer zur gefänglichen Hafft gebracht“

unten links: „Die Emigranten kommen zu Schiff zu Königsberg an“

unten rechts: „Den Emigranten wird das Land in Preußisch-Lithauen ausgetheilt“

Angelika Marsch - Die Salzburger Emigration in Bildern mit Beiträgen von Gerhard Florey und Hans Wagner und einem Verzeichnis der zeitgenössischen Kupferstiche -  Abbildung 75 Gedenkblatt zur Emigration der Salzburger Protestanten 1732. Kupferstich von Johann August Corvinius [Gb 1]

Marschrouten der Salzburger Emigranten 1731/32

Die gesamte Menschheitsgeschichte ist von Flüchtlingsströmen durchzogen. Die Vertreibung der Salzburger Lutheraner zu Beginn der 1730er Jahre löste die wohl größte Flüchtlingswelle des 18. Jahrhunderts aus.

Der Salzburger Verein e.V. feierte im Jahr 2011 sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass konnte er die „Chronik der Marschzüge Salzburger Emigranten 1731 bis 1741“ herausgeben, die von Norbert Stein (Berlin) in 20-jähriger verdienstvoller Arbeit zusammengestellt worden ist.

Sie setzt uns in den Stand, der Geschichte der Salzburger Emigration im wahrsten Sinne des Wortes „nachzugehen“, die Beschwernisse des Wanderns auf fremden Straßen, aber auch die Dankbarkeit für freundliche Begegnungen und großzügige Hilfen zu verstehen, die nicht nur bei den Evangelischen zutage traten, sondern durchaus auch bei Katholiken und Juden.

Der „Triumphzug des Protestantismus“ war eine logistische preußische Meisterleistung, die Vollendung in einer erfolgreichen Landesentwicklung in Ostpreußen fand.
Nachdem im Winter 1731 und im Frühjahr 1732 schon Züge von Unangesessenen ohne vorausschauende Routenplanung ausgezogen waren, unterzeichnete Friedrich Wilhelm I. von Preußen am 2. Februar 1732 das Einladungspatent für die Salzburger.

Vom April 1732 an verlässt ein Wanderzug nach dem anderen das Erzstift. Im Spätsommer 1732 hatten über 20.000 Menschen das Salzburger Land verlassen. Die Marschzüge wurden von preußischen Kommissaren organisiert und führten die Emigranten auf verschiedenen Wegen durch das südliche und mittlere Deutschland zunächst meist nach Berlin. Von dort ging es entweder weiter zum Schiffstransport ab Stettin über die Ostsee oder mit Pferd und Wagen nach Königsberg und weiter in das nordöstliche Ostpreußen.

König Friedrich Wilhelm I.

lädt die Salzburger Emigranten nach Preußen ein

Die Emigration von mehr als 20.000 Protestanten aus dem Land Salzburg in den Jahren 1731/32 hat nicht nur in zahlreichen zeitgenössischen Schriften und Büchern ihren Niederschlag gefunden, sondern auch auf Bilderbögen, Bilderserien, Gedenkblättern, Faltbriefen, Schraubmedaillen und ihren Bilderzyklen, Porträtstichen, Landkarten, Andachts- und Aquarellbildern.

Durch seine Vielseitigkeit gibt uns dieses Bildgut einen lebendigen Einblick in das Emigrationsgeschehen. Zugleich erfahren wir etwas über das Empfinden und Denken der Menschen jener Zeit.

Die Herstellung dieser Graphiken verfolgte nicht nur das Ziel, von protestantischer Seite die Martyriumfreudigkeit und den richtigen Weg der vertriebenen Salzburger zum Glauben zu zeigen. Auch wurde so an das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft für die wandernden Menschen appelliert. Vor allem aber versprachen sich die Herausgeber auch einen guten Absatz durch die Darstellungen dieses „Triumphzugs des Protestantismus“.

Die Darstellung zeigt Friedrich Wilhelm I. als gütigen Landesherrn, der den untertänig einziehenden Salzburgern die hilfreiche Hand reicht.

Die Bildunterschrift lautet:
„Muß ich gleich Haus und Hof, Freund, Eltern, Kinder lassen, So will mich doch der Herr in seine Arme fassen, Er hält mich väterlich bei seiner rechten Hand, Und führt mich wohlvergnügt in Friedrich Wilhelms Land.“

Im Hintergrund wandernde Salzburger und Ansichten der Städte Salzburg und Königsberg.

Leopold Anton Eleutherius Freiherr von Firmian,

Fürsterzbischof von Salzburg 1727 -1744,

wurde am 30. September 1727 im Alter von 48 Jahren erst im vierten Wahlgang von der salzburgischen Kurie zum Erzbischof gewählt. Anlässlich einer Huldigung durch die Stände legte er seinen Grundsatz dar, „den Glanz der katholischen Religion zu erhalten und das Luthertum auszurotten.“

Das erste Viertel seiner Amtszeit ist von einer Maßnahmenkette gegen die Lutheraner geprägt:

21728 Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen und Befragung der Kinder durch Jesuiten. Dabei werden lutherische Traditionen aufgedeckt.

1729 Geldbußen, Gefängnis und Ausweisungen. Missachtung von Protesten des Corpus Evangelicorum des Regensburger Reichstags.

1730 Vermehrt Zusammenkünfte der Evangelischen; Versammlung in Schwarzach; Bittschriften an den Regensburger Reichstag. Ernennung des Tirolers Cristani von Rall zum Hofkanzler mit dem Auftrag der Verfolgung und Vertreibung der Lutheraner.

1731, 15. Juli Untersuchung von Beschwerden der Bergbauern.
28. Juli Zählungen/Befragungen ergeben 20.678 Lutherische.
30. Juli Versammlungsverbote im ganzen Land.
16. August Nach Salzburger Anforderung Einquartierung kaiserlichen Militärs in die Wohnstätten der Lutheraner.

1731, 31. Oktober von Firmian unterzeichnet das Emigrationspatent (am Reformationstag).
11. November Bekanntmachung des Emigrationspatents im ganzen Land (an Luthers Tauftag).
21. November Beginn der Austreibung aller Unangesessenen.

1732, 24. April Austreibung der Angesessenen.

Insgesamt verließen etwa 20.000 Protestanten ihre Salzburger Heimat

1744 stirbt Erzbischof von Firmian im Alter von 65 Jahren. Das katholisch wiederhergestellte Erzbistum hinterließ er als verarmtes und in großen Teilen entvölkertes Land. Dieses Ergebnis seiner Vertreibungspolitik war ihm bewusst, wenn er sagte,
„Ich will die Ketzer aus dem Land jagen, und sollten auch Dornen und
Disteln auf dem Acker wachsen.“

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Joseph Schaitberger

Porträtstich und Beschreibung von Leben und Wirken 1

Schon bald nach Luthers Thesenanschlag am 31.Oktober 1517 fanden sich im Erzstift Salzburg Anhänger der Lehre des Reformators. Salzburg war ein selbstständiges Erzbistum unter der Regierung eines Erzbischofs, der als Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unmittelbar dem Kaiser unterstand.

Luthers Lehre kam durch Priester in das Land, die in den Besitz solcher Bücher gekommen waren und in Predigten reformatorische Gedanken vertraten. Auch konnten die Bürger, Bauern und Bergknappen des Landes auf den Märkten oder bei hausierenden Buchverkäufern lutherische Schriften erwerben. Noch stärkere Wirkungen hatten Bilder und Einblattdrucke. Zudem kamen evangelische Lieder ins Land, die nach den Melodien bekannter Volkslieder in meist geheimen Andachten gesungen werden konnten.

Unter der Herrschaft verschiedener Erzbischöfe wurden evangelische „Umtriebe“ lange Zeit in unterschiedlicher Intensität beobachtet und auch verfolgt. Das Erzbistum Salzburg konnte sich erfolgreich den Schrecken des 30-jährigen Krieges entziehen.

Scharfe Maßnahmen ergriff erstmals Erzbischof von Kuenburg (1668-1687): Jeder, der sich weigerte, katholisch zu sein, müsse das Land verlassen. Im Winter 1685 wurden über 600 Evangelische des Defereggentals unter harten Begleitumständen ausgewiesen. 289 Kinder unter 15 Jahren wurden zurück gehalten und über das ganze Land verteilt, an katholische Eheleute, zur Adoption gegeben, selbst Geschwister durften nicht zusammen bleiben.

Wenig später kamen Nachrichten über eine evangelische Bewegung unter den wirtschaftlich wichtigen Knappen des Salzbergwerkes am Dürrnberg auf. Nach strengen Untersuchungen wurden als Führer und Prediger die Knappen Joseph Schaitberger, Matthias Kammel und Simon Lindtner 1686 zunächst auf der Festung Hohensalzberg eingekerkert und schließlich mittellos mit ihren Frauen außer Landes gewiesen, auch in diesen Fällen mussten die Kinder zurück gelassen werden.

Joseph Schaitberger fand eine neue Heimat in Nürnberg. Er hat in der Folgezeit die religiöse Haltung seiner Landsleute durch „Sendbriefe“ stark beeinflusst. Die Schriften Schaitbergers waren im ganzen Erzstift bald weit verbreitet, im Volksmund war von der Schaitbergerbibel die Rede. Im Laufe einiger Jahrzehnte hatte Joseph Schaitberger auf diese Weise entscheidenden Anteil daran, dass sich die bis dahin ihren Glauben im Geheimen praktizierenden evangelischen Salzburger schließlich frei und offen dazu bekannten.

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Mitgliedschaft im Salzburger Verein

Der Verein umfasst zur Zeit ungefähr 500 Mitglieder. Die meisten von Ihnen haben über mehrere Generationen Vorfahren gefunden, die Salzburger Namen tragen. Manche konnten ihre Vorfahrenlinien bis nach Salzburg hin erforschen und dort im Land der Väter noch über mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. Die zahlreichen Wege der Emigranten von Salzburg nach Ostpreußen sind weitgehend aufgezeichnet (Norbert Stein: Chronik der Marschzüge – Salzburger Emigranten, 700 S.). Es ist spannend, auf den Spuren früherer Generationen zu wandeln. Wer Mitglied des Vereins ist, kann bei seiner Forschung mit der Hilfe anderer Mitglieder und der Geschäftsstelle rechnen.

Alle Mitglieder erhalten kostenlos die Ausgaben unserer Vereinszeitschrift „Der Salzburger“, mit vielen Beiträgen zum Vereinsleben, zur Familienforschung, zu neuen Büchern und vielem mehr. Hier besteht auch die Möglichkeit Rundfragen für die eigene Familienforschung zu veröffentlichen. Desweiteren ist die Benutzung des Archivs und der Bibliothek für alle Mitglieder kostenfrei.
Der jährliche Regelbeitrag beträgt nur 40,00 Euro oder für Eheleute/Familien 50,00 Euro.

    FrauHerr                    Regelbeitrag 40 EuroEheleute- / Familienbeitrag 50 Euro

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    Unter meinen Vorfahren kommen folgende Namen Salzburger Herkunft vor

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